Haftung: Leichtsinn bei Benutzung einer Kegelbahn schließt Haftung des Betreibers aus

 - 

Kegelbahnen sind gefährliche Anlagen, auf denen es zu erheblichen Verletzungen kommen kann. Schadensersatz vom Betreiber der Bahn gibt es aber nicht, wenn ein Spieler leichtsinnig handelte und deshalb verunfallte.

Ein Dachdeckermeister erlitt beim Kegelabend in einem Tagungshotel einen Unfall. Der Mann wollte im Laufe des Spiels eine Kugel mit dem Fuß stoppen und sie aufnehmen. Dabei kam er mit dem Mittelfinger zwischen die Kugel und eine weitere zurücklaufende Kugel. Eine Quetschwunde und eine mehrfache Fraktur des linken Mittelfingers setzten den Handwerker sechs Wochen außer Gefecht.

Er machte den Betreiber der Bahn für den Unfall verantwortlich und verlangte Ersatz seines Verdienstausfalles in Höhe von € 2.500,- und ein Schmerzensgeld von € 1.000,-. Er behauptete, der Kugelsammelkasten sei nicht auf der Bahn befestigt gewesen, weshalb der Rücklauf der Kugeln nicht funktioniert habe. Der Betreiberin bestritt dies.

Das Amtsgericht Lemgo entschied, es gibt weder Schadensersatz noch Schmerzensgeld für den Verletzten. Ob der Bahnbetreiber seine Verkehrssicherungspflichten verletzt hat, kann hier offen bleiben. Denn seine etwaige Verantwortung tritt gegenüber dem überwiegenden Verschulden des Keglers völlig zurück.

Zum einen hätte der Kegler sofort die Hotelleitung unterrichten und das Kegeln einstellen müssen, nachdem seiner Meinung nach die Bahn nicht ordnungsgemäß funktionierte.

Zum andern war es zumindest leichtsinnig, sich in eine offensichtliche Gefahrensituation zu bringen. Kegelbahnen bergen insbesondere im Bereich des Kugelrücklaufs besondere Gefahren. Die Kugel aufzunehmen, ohne sich zu vergewissern, dass keine weitere rückrollt, war besonders risiko- und unfallträchtig. Das hätte dem erwachsenen und lebenserfahrenen Dachdeckermeister klar sein müssen. Er trägt somit die alleinige Verantwortung für den Schaden (AG Lemgo, Urteil vom 23. 2. 2011, Az. 20 C 403/10).

 

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.