Haftung: Junggesellenabschied mit Traktorfahrt - Teilnahme auf eigene Gefahr

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Für die Folgen eines Unfalls während einer sogenannten Gefälligkeitsfahrt haftet der Fahrer nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit.

Eine Herrengesellschaft machte sich anlässlich eines Junggesellenabschieds auf zu einer Landpartie. Im Traktor samt überdachtem Anhänger, auf dem eine Sitzbank stand, starteten die Gäste zu ihrem Ausflug, der tragisch endete. Anlässlich einer kurzen "Pinkelpause" blieben einige Gäste im Anhänger sitzen, andere stiegen aus. Auch der Fahrer verließ die Zugmaschine. Wegen der "Startschwierigkeiten" des Motors stellte er ihn nicht aus. So setzte sich das Gespann plötzlich in Bewegung und fuhr eine Böschung hinunter. Dabei überschlug sich der Anhänger und ein Gast wurde schwer verletzt. Er verlangte Schadensersatz und Schmerzensgeld vom Traktorfahrer.

Das Oberlandesgericht Hamm wies in die Klage jedoch ab. Bei einem Unfall während einer sogenannten Gefälligkeitsfahrt haftet der Fahrer nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit. Bei freiwilligen und kostenlosen Fahrten darf der Fahrer grundsätzlich von einem "stillschweigend vereinbarten Haftungsausschluss für leichte Fahrlässigkeit" ausgehen. Geschädigten Mitfahrern stehen deshalb nur in Ausnahmefällen Ersatzansprüche zu.

Wer sich auf eine Fahrt mit einem Fahrzeug einlässt, das für den Personentransport nur bedingt geeignet ist, dem muss auch das damit verbundene Risiko bewusst sein. So bot die auf dem Anhänger montierte Bank beispielsweise nur wenig Halt beim Bremsen. Der bei einem Junggesellenabschied übliche Alkoholkonsum hat zudem das Unfallrisiko erhöht (OLG Hamm, Urteil vom 14. 5. 2007, Az. 13 U 34/07, VersR 2008 S. 1219).

Mehr zur rechtlichen Seite von Gefälligkeiten im Alltag und zur Nachbarschaftshilfe erfahren Sie in Gruppe 7 der "Rechtstipps".

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