Bei Streit über Telefonrechnungen entscheiden die Gerichte kundenfreundlich

 - 

Die Telekom verlangte von einer Kundin € 1.720, -. Für diesen Betrag sollte sie angeblich innerhalb eines Monats telefoniert haben. Im Wesentlichen stützte die Telefongesellschaft die Forderung auf mehr als 4.000 Verbindungen zu einem Telekom-Gewinnspiel. Die Kundin widersprach der Telefonrechnung umgehend. Sie habe an keinem Gewinnspiel teilgenommen. Ein Einzelverbindungsnachweis wurde der Kundin nicht vorgelegt. Vielmehr berief sich das Telefonunternehmen allein darauf, dass ein "technischer Defekt" nicht festgestellt worden sei.

Damit kam die Telekom aber nicht durch. Das Amtsgericht Frankfurt/Main stellte fest: Bei einem Streit um die Telefonrechnung muss die Telefongesellschaft spätestens 80 Tage nach Rechnungsversand einen vollständigen Einzelverbindungsnachweis vorlegen. Der Hinweis, die Gebühren werden automatisch von einem Computer erfasst, beweist die Korrektheit der Rechnung nicht. Es sei schließlich bekannt, dass auch Computer nicht fehlerfrei arbeiten. AG Frankfurt/M., Urteil v. 3. 3. 2005, Az. 31 C 79/05 - 83

In einem anderen Fall konnte sich ein Telefonkunde von O 2 einen Rechnungsposten aus seiner Telefonrechnung nicht erklären. Unter Hinweis auf § 16 Abs. 1 Telekommunikations-Kundenschutzverordnung (TKV) forderte er den Telefonanbieter auf, einen Prüfbericht vorzulegen, aus dem sich die technische Korrektheit der einzelnen Verbindungen ergeben sollte. Weil O 2 dieser Aufforderung nicht nachkam, wollte der Kunde den umstrittenen Betrag nicht zahlen.

Das Amtsgericht München entschied zu seinen Gunsten: Sobald ein Kunde die Richtigkeit einer Telefonrechnung anzweifelt, kann er nach dem Gesetz von der jeweiligen Telefongesellschaft einen entsprechenden technischen Prüfbericht verlangen. Denn die Abrechnungssysteme müssen nachweisbar funktionieren. Wird dieser Bericht nicht vorgelegt, darf der Kunde die Zahlung verweigern. AG München, Urteil v. 16. 6. 2005, Az. 163 C 40564/04 [1]

Weitere News zum Thema

  • Eigentümergemeinschaft kann Grundstück kaufen

    [] Wohnungseigentümer dürfen per Mehrheitsbeschluss darüber entscheiden, ob die Wohnungseigentümergemeinschaft ein Grundstück kauft oder nicht. Allerdings muss der Erwerb des Grundstücks ordnungsgemäßer Verwaltung entsprechen. mehr

  • Wer haftet für Müllgebühren?

    [] Zahlt der Mieter die fälligen Abfallgebühren nicht, kann die zuständige Behörde die ausstehenden Gebühren vom Grundstückseigentümer auch nachträglich verlangen. mehr

  • WEG: Kein Recht auf einen Pool

    [] Der Bau eines Privatpools ist nicht vom Sondernutzungsrecht an einer Terrasse und Gartenoberfläche gedeckt. Vielmehr erfordert ein Pool auf der Terrasse die Zustimmung der übrigen Wohnungseigentümer. mehr

  • Wann ist ein Grundstückskaufvertrag sittenwidrig?

    [] Ob ein Immobilienkaufvertrag wegen eines besonders groben Missverhältnisses zwischen Kaufpreis und Verkehrswert sittenwidrig ist, ist eine Frage des Einzelfalls und der wirtschaftlichen Betrachtung. Trägt der Verkäufer die Erwerbsnebenkosten, die normalerweise vom Käufer zu tragen sind, fließt dies in die Prüfung der Sittenwidrigkeit mit ein. Diese Kosten sind von der Leistung des Käufers abzuziehen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.