Wer muss für den Astschnitt bezahlen?

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Verweigert ein Grundstückseigentümer beständig den Rückschnitt seiner Bäume, die ein Nachbargrundstück wesentlich beeinträchtigen, darf der Nachbar einen Baumdienst beauftragen, das Gehölz zu entfernen. Der Baumeigentümer muss die Rechnung dafür bezahlen.

Der Eigentümer eines Grundstücks war nicht bereit, seine Bäume zurückzuschneiden. Dabei ragten die Äste teilweise bis zu sieben Meter in das Nachbargrundstück hinein. Der Nachbar hatte den Grundstückseigentümer wiederholt mündlich und schriftlich aufgefordert, die herüberragenden Äste abzusägen. Ohne Erfolg. Der Mann blieb stur. Auch ein Schlichtungsversuch endete ergebnislos.

Daraufhin beauftragte der Nachbar einen Baumdienst, die überstehenden Äste abzusägen. Die Rechnung von 6.700,00 € wollte er vom Baumeigentümer ersetzt haben. Da dieser nicht freiwillig bezahlte, klagte der Nachbar.

Er bekam vor dem Oberlandesgericht Koblenz Recht. Der Nachbar war durch die weit auf sein Grundstück ragenden Äste erheblich beeinträchtigt. So können Menschen, die sich auf dem Nachbargrundstück aufhalten, vor allem bei Sturm und Schneelasten durch herabfallende Äste Schaden nehmen.

Den Einwand des Baumeigentümers, die Rechnung sei überteuert andere Firmen hätten die Baumpflege wesentlich billiger ausgeführt, ließen die Richter nicht gelten. Der Eigentümer hatte ausreichend Gelegenheit, selbst einen anderen Baumdienst zu beauftragen. Durch seine dauerhafte Weigerung, die Äste überhaupt zu schneiden, hat er diese Möglichkeit vertan. Folge: Der Baumeigentümer muss für den Astbeschnitt zahlen (OLG Koblenz, Beschluss vom 8.10.2013, 3 U 631/13 ).

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