Was gilt, wenn Wurzeln ein Abwasserrohr beschädigen?

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Wenn Wurzeln eines Nachbarbaumes einen Hausanschlusskanal verstopfen, kann der Eigentümer die Beseitigung der Störung verlangen. Allerdings ist bei den erforderlichen Aufwendungen ein Abzug neu für alt vorzunehmen. Denn der Geschädigte soll über die Beseitigung der Störung hinaus keinen weiteren Vorteil erlangen, so der Bundesgerichtshof.

Der Hausanschlusskanal einer Grundstückseigentümerin war durch Wurzeln eines außerhalb des Grundstücks stehenden Baumes beschädigt worden. Folge: Das Abwasserrohr war verstopft. Der Baum gehörte der Gemeinde.

Der beauftragte Bauunternehmer stellte für die Reparatur des Kanals rund 2.100,00 € in Rechnung. Diesen Betrag forderte die Geschädigte von der Stadt für die Beseitigung des Schadens. Diese argumentierte, der Betrag sei nicht in voller Höhe erstattungsfähig. Vielmehr müsse sich die Eigentümerin für den neuen Kanal einen Abzug neu für alt anrechnen lassen.

Der Bundesgerichthof folgte der Rechtsauffassung der Gemeinde. Die Grundstückseigentümerin kann zwar verlangen, dass die Stadt den durch die Baumwurzeln verursachten Schaden am Hausanschlusskanal beseitigt (1004 Abs. 1 Satz 1 BGB), also den beschädigten Kanal repariert. Hierfür bekommt sie die erforderlichen Reparaturkosten erstattet.

Aber der Zahlungsanspruch wird durch einen Abzug neu für alt gemindert. Denn die Geschädigte soll durch die Beseitigung der Störung keinen zusätzlichen Vorteil erlangen. Das folgt aus dem Grundsatz von Treu und Glauben, der auch auf einen Beseitigungsanspruch anzuwenden ist.

Im entschiedenen Fall muss die Gemeinde nur einen um einen Abzug neu für alt geminderten Betrag von 215,00 € erstatten. Die Höhe wurde auf Grundlage der hypothetischen Lebensdauer des alten Kanals ohne Eintritt der Wurzelschäden und der Lebensdauer des nun neu errichteten Kanals geschätzt (BGH, Urteil vom 13.1.2012, V ZR 136/11, GE 2012 S. 480).

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