Privater Waldbesitzer haftet nicht für herabstürzende Äste

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Das Betreten eines Waldes zu Erholungszwecken ist jedermann gestattet. Doch wer als Waldspaziergänger einen privaten Forst betritt, tut dies auf eigene Gefahr. Folge: Der private Waldbesitzer haftet nicht für die Folgen eines Unfalls aufgrund eines herabstürzenden Astes.

Eine Spaziergängerin durchquerte im Sommer 2006 bei schönem Wetter einen Forstwirtschaftsweg durch ein privates Waldgrundstück. Plötzlich brach von einer ungefähr fünf Meter neben dem Fußweg stehenden Eiche ein langer Ast ab und traf die Frau am Hinterkopf. Sie erlitt eine schwere Hirnverletzung. Die Verletzte verlangte vom Waldbesitzer Schadensersatz.

Der Fall ging durch die Instanzen - mit unterschiedlichen Ergebnissen. So hatte der Bundesgerichtshof das letzte Wort. Die obersten Bundesrichter stellten fest: Sowohl nach bundes- als auch nach landesrechtlichen Vorschriften ist das Betreten des Waldes zu Erholungszwecken jedermann gestattet (§ 14 Bundeswaldgesetz). Allerdings erfolgt die Benutzung des Waldes auf eigene Gefahr. Der Waldbesitzer haftet deshalb in der Regel nicht für Unfälle der Erholungssuchenden.

Denn ein privater Waldbesitzer, der auf der einen Seite Waldspaziergänger auf seinem Grund dulden muss, wird auf der anderen Seite haftungsrechtlich entlastet. Ihm erwachsen keine besonderen Sorgfalts- und Verkehrssicherungspflichten. So muss er beispielsweise keine regelmäßigen Sichtkontrollen der Bäume am Rande der Erholungswege vornehmen.

Er haftet nur für Gefahren, die im Wald atypisch sind. Das sind insbesondere Gefahren, die nicht durch die Natur bedingt sind. Astbruch gehört eindeutig nicht dazu. Er zählt gerade zu den waldtypischen Gefahren. Gleiches gilt für eine Astbruchgefahr, selbst wenn ein erfahrener Baumkontrolleur sie hätte erkennen können (BGH, Urteil vom 2.10.2012, VI ZR 311/11 ).

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