Nachbarschaftshilfe: Haftung für fehlerhafte unentgeltliche Montagearbeiten

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Wer für einen Nachbarn unentgeltlich handwerkliche Arbeiten fehlerhaft ausübt, haftet bei späteren Unfällen. Das gilt zumindest, wenn der Helfer haftpflichtversichert ist.

Ein Fassadenarbeiter stieß während der Sanierungsarbeiten an einem Haus gegen das stromführende Gehäuse einer Außenlampe im Eingangsbereich des eingerüsteten Hauses und erlitt einen Stromschlag. Diese Lampe hatte ein Nachbar, ein berufserfahrener Elektriker, unentgeltlich auf Bitte der im Haus wohnenden Vermieterin installiert.

Seit dem Unfall ist der Arbeiter zu 100 % behindert und pflegebedürftig. Er verklagte auch den Nachbarschaftshelfer auf Schmerzensgeld, eine monatliche Rente sowie auf Schadensersatz.

Das Oberlandesgericht Koblenz stellte fest, Fehler bei einer Elektromontage können auch bei unentgeltlicher Nachbarschaftshilfe zur Haftung führen.

Der Nachbar hatte fahrlässig nach der Montage der Lampe übersehen, dass das Gehäuse der installierten Außenleuchte Strom führte. Ein Nagel im Haus hatte den Schutzleiter des Lampenkabels durchtrennt.

Dabei ist für die Frage der Haftung zu berücksichtigen, ob der Helfer – wie hier – für die Folgen eines Fehlers haftpflichtversichert ist. Die um Hilfe bittende Vermieterin durfte im vorliegenden Fall auf einen Rechtsbindungswillen des Nachbarn schließen, der zu seiner Haftung führt.

Ob in diesen Haftungsrahmen auch Dritte einzubeziehen sind, ist nach strengen Maßstäben zu beurteilen. Denn dies führt zu einem erheblich größeren Haftungsrisikos des Helfers. Hier musste der Nachbar mit der Einrüstung des Hauses für Fassaden- oder Dacharbeiten rechnen. Für ihn war auch erkennbar, dass die ihn um Hilfe bittende Vermieterin auf die Sicherheit aller Personen vertraute, die mit der Lampe in Berührung kommen sollten.

Um über die Höhe der Ansprüche zu verhandeln, wurde der Fall an das Landgericht zurückverwiesen (OLG Koblenz, Urteil vom 2.4.2014, 5 U 311/12 ).

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