Keine wechselseitige Haftung beim gemeinsamen Baumfällen

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Verabreden sich Bekannte zu gemeinsamen Baumfällarbeiten und sprechen sie dabei im Vorfeld das Vorgehen und die Arbeitsteilung genau ab, besteht keine gegenseitige Haftungsverpflichtung, sofern es bei den Arbeiten zu einem Unfall kommt.

Drei Bekannte hatten sich zum Holzfällen verabredet. Ein jeder von ihnen verfügte über ausreichend Erfahrung mit Waldarbeiten. Sie planten im Vorfeld die Aktion gemeinsam und verabredeten eine Arbeitsteilung, an die sie sich bei der Durchführung der Fällarbeiten auch hielten.

Während einer der Männer auf einer Hebebühne stehend begann, einen Ast abzusägen, hatte ein anderer die Aufgabe, an dem Ast befestigte Halteseile mittels eines Traktors auf Spannung zu halten. Der Mann im Hubwagen befestigte das Seil oben an der Krone, die beiden anderen befestigten das verlängerte Seil am Traktor.

Als sich der abgesägte Ast löste, erfasste er den Mann und schleuderte ihn aus dem Korb der Hebebühne. Er fiel aus etwa acht Meter Höhe in die Tiefe und verletzte sich schwer. Das Seil war kurz hinter dem Traktor gerissen, die Verknotung der Seile in der Krone des Baumes sowie am Traktor selbst, hielt jedoch stand.

Der Verletzte forderte vom Traktorfahrer Schadensersatz und Schmerzensgeld, weil dieser einen Fehler beim Anfahren gemacht habe.

Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein entschied, der Fahrer hat zwar fahrlässig gehandelt und durch sein Verhalten den Unfall mitverursacht, als er den im Fallen begriffenen, abgesägten Ast mit dem Traktor wegzog. Aber er haftet nicht. Denn der Holzfällaktion lag ein gemeinschaftlich entworfener Plan zugrunde, der als gefährlich einzustufen war.

Da sich aber alle Beteiligten an den vereinbarten Plan gehalten haben, lassen sich die finanziellen Folgen des Unfalls nun nicht auf einen der Beteiligten abwälzen. Das widerspricht dem Grundsatz von Treu und Glauben.

Zudem trägt der Verletzte gleichermaßen Schuld an dem Unfall. Er hatte es in der Hand, seine Sägearbeiten jederzeit zu unterbrechen. Außerdem hätte er sich zur eigenen Sicherheit im Hubwagen angurten müssen (OLG Schleswig, Urteil vom 17.9.2015, 11 U 141/14 ).

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