Kein Taubenschlag für 100 Tiere im reinen Wohngebiet

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Ein Taubenschlag für 100 Tauben hat in einem reinen Wohngebiet nichts zu suchen und darf verboten werden. Sogenannte Nebenanlagen der Wohnnutzung, beispielsweise Volieren, müssen untergeordnet bleiben.

Ein Grundstückseigentümer hatte bereits im Frühjahr 2000 die Genehmigung für verschiedene Bauvorhaben und Nutzungsänderungen beantragt. Dazu zählten der Ausbau des Dachstuhls seiner Garage, ein neuer Hundezwinger sowie der Bau eines Taubenschlags mit Voliere. Die zuständige Behörde genehmigte die Vorhaben mit der Auflage, dass der Antragsteller nicht mehr als 50 Tauben halten darf.

Daran hielt sich der Mann jedoch nicht, wie im Jahr 2012 bekannt wurde. Bei einer Ortsbesichtigung wurden allein in den Außenkäfigen mehr als 100 Tauben gezählt. In den Giebel der Garage war eine weitere Voliere gebaut worden und auch der Hundezwinger wurde zumindest zeitweilig als Taubenschlag genutzt.

Der Taubenhalter versuchte, diesen Zustand durch eine Baugenehmigung zu legalisieren. Er beantragte offiziell die Umnutzung des Hundezwingers in einen Taubenschlag. Er wolle insgesamt etwa 100 Tauben halten. Die zuständige Behörde versagte die Genehmigung. Begründung: In einem reinen Wohngebiet sei dies keine wohnverträgliche Nebenanlage. Damit wollte der Taubenfreund sich nicht abgeben und klagte – ohne Erfolg.

Das Verwaltungsgericht Neustadt bestätigte das behördliche Verbot. In Wohngebieten sind neben Wohngebäuden auch Nebenanlagen grundsätzlich zulässig (z.B. Einrichtungen zur Kleintierhaltung wie etwa ein Taubenschlag zur Haltung von Brieftauben).

Allerdings muss die Kleintierhaltung der Hauptnutzung Wohnen untergeordnet bleiben. Das ist bei über 100 Tauben nicht mehr der Fall. Eine derart große Zucht widerspricht der Eigenart eines reinen Wohngebiets (VG Neustadt, Urteil vom 16.9.2015, 3 K 322/15.NW ).

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