Haftet ein Nachbar für Missgeschicke beim Blumengießen?

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Im Rahmen einer unentgeltlichen Nachbarschaftshilfe ist die Haftung begrenzt. Wer gefälligkeitshalber im Haus nebenan einspringt (z.B. um den Garten zu gießen), haftet für einen dabei entstandenen (Wasser-)Schaden grundsätzlich nur dann, wenn dieser vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt wurde.

Ein Grundstückseigentümer ging in Kur. Sein Nachbar kümmerte sich gefälligkeitshalber während dieser Zeit um den Garten und wässerte ihn allabendlich. An einem Abend drehte der Mann nach dem Gießen nur die Schlauchspritze zu. Der Schlauch stand folglich weiter unter Druck. Daraufhin löste sich die Spritze und das Wasser strömte aus dem Schlauch in den Keller des Hauses. Dort entstand ein Schaden in Höhe von 11.500,00 €.

Die Wohngebäudeversicherung des Geschädigten übernahm den Leitungswasserschaden, nahm jedoch den hilfsbereiten Nachbarn in Regress.

Das Oberlandesgericht Koblenz entließ ihn aus der Haftung unter Hinweis auf folgenden Grundsatz: Wer im Rahmen einer unentgeltlichen Nachbarschaftshilfe tätig wird, kann sich auf eine Haftungsbegrenzung berufen. Er haftet nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit für Schäden, die im Rahmen dieser alltäglichen Hilfestellungen entstanden sind, und die durch eine Versicherung des Geschädigten abgedeckt sind. Das gilt unabhängig davon, ob der Schädiger über eine eigene Privathaftpflichtversicherung verfügt.

Der Mann hat hier lediglich leicht fahrlässig gehandelt. Zwar hat er den Wasserzufluss nicht zugedreht, sondern nur die Schlauchspritze. Doch es war für ihn nicht vorherzusehen, dass diese sich unter Druck löst und der Wasseraustritt zu einem Wasserschaden im Inneren des Hauses führt. Denn der Gartenschlauch befand sich außerhalb des Hauses (OLG Koblenz, Urteil vom 7.7.2015, 3 U 1468/14 ).

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