Doppelhaushälfte: Grenzbalkon des Nachbarn ist hinzunehmen

 - 

Wird dem einem Eigentümer einer Doppelhaushälfte ein Grenzbalkon genehmigt, kann der andere Eigentümer nicht dagegen vorgehen. Es liegt kein Verstoß gegen das Gebot der nachbarschaftlichen Rücksichtnahme darin begründet, dass über den Balkon auf das Nachbargrundstück eingesehen werden kann.

Der Eigentümer einer Doppelhaushälfte hatte die Genehmigung zur Errichtung eines Grenzbalkons erhalten. Der Eigentümer der anderen Haushälfte war damit nicht einverstanden. Er hielt den Balkonanbau für unzulässig und machte geltend, der Balkon beeinträchtige den Lichteinfall auf sein Grundstück. Zudem könnten vom Balkon aus sein Grundstück eingesehen und private Gespräche mitgehört werden. Die Parteien klagten im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof entschied, der Nachbar kann keinen vorläufigen Rechtsschutz gegen die Baugenehmigung verlangen. Es liegt kein Verstoß gegen das Gebot nachbarschaftlicher Rücksichtnahme vor. Eine objektiv unzumutbare Beeinträchtigung der Nachbarn ist nicht erkennbar.

Durch den Grenzbalkon wird das Lichtrecht auf dem Nachbargrundstück nicht unzumutbar beeinträchtigt. Eine ausreichende Belichtung der Aufenthaltsräume bleibt gewährleistet.

Die teilweise Einsicht auf das Grundstück verletzt die Nachbarinteressen nicht. Das öffentliche Baunachbarrecht gewährt grundsätzlich keinen Schutz vor fremder Einsichtnahme auf das eigene Grundstück. Ausnahme: Ein Schutz vor dem Einsehen einer Wohnung besteht dann, wenn Räume der intimen privaten Lebensgestaltung betroffen sind.

Auch die Befürchtung, Privatgespräche könnten unerwünscht mitgehört werden, ist unbeachtlich. Wer auf die Einhaltung von Grenzabständen verzichtet, wie dies üblicherweise bei Doppel- oder Reihenhäusern der Fall ist, muss mit den damit verbundenen typischen Nachteilen leben, wie etwa die räumliche Nähe auf den angrenzenden Terrassen (Hessischer VGH, Urteil vom 9.10.2015, 4 B 1353/15 ).

Weitere News zum Thema

  • Nachbar haftet, wenn Grenzwand bei Abriss beschädigt wird

    [] Wird eine Grenzwand, an die vom Nachbargrundstück aus ein anderes Gebäude angebaut ist, beim Abriss des Anbaus beschädigt, haftet der Nachbar für dabei auftretende Schäden. Dies gilt auch für den Fall, dass es sich bei den Schäden um unvermeidliche Folgen des Abrisses handelt. mehr

  • Zum Anspruch von Nachbarn auf Kappen und Beseitigung von Bäumen

    [] Ein Grundstückseigentümer kann die Kappung von Bäumen bzw. die Beseitigung überhängender Äste an der Grundstücksgrenze nicht immer verlangen. Dem kann entgegenstehen, dass dem Nachbarn von der Gemeinde verbindliche Vorgaben für den Rückschnitt gemacht wurden (z.B. eine Höhenbegrenzung) oder dass keine ausreichende Beeinträchtigung des Grundstücks vorliegt. mehr

  • Winterdienst: Hobelspäne als Streugut ungeeignet

    [] Wer einen eisglatten Gehweg mit Hobelspänen streut, erfüllt seine Räum- und Streupflicht nur unzureichend. Das Streumittel entfaltet zu wenig abstumpfende Wirkung. Kommt es deshalb zu einem Unfall, haften sowohl die Hauseigentümerin als auch die Mieterin auf Schadensersatz. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.