Bambus gilt rechtlich als Hecke, nicht als Gras

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Bambus gilt botanisch zwar als Gras, rechtlich jedoch als Hecke im Sinne des baden-württembergischen Nachbarrechtsgesetzes. Denn es kommt für den Begriff der Hecke auf die Geschlossenheit der Anpflanzung an.

Im Jahre 2004 hatte die Ehefrau eines Grundstückseigentümers vier Bündel Bambus nahe der Grundstücksgrenze gepflanzt. Als die Pflanzung die Höhe von 1,80 m überschritten und den Grenzabstand von 0,50 cm unterschritten hatte, kam der Nachbar auf den Plan. Er fühlte sich von der Bambuswildnis beeinträchtigt und verlangte den Rückschnitt unter Berufung auf das baden-württembergische Nachbarrechtsgesetz (NRG).

Der Grundstücksnachbar griff jedoch nicht zur Heckenschere, sondern zum Gesetzbuch und berief sich auf den Wortlaut des § 12 Abs. 3 NRG. Dieser regelt den Grenzabstand von Hecken. Der Mann führte aus, Bambus zähle botanisch betrachtet zu den Gräsern, weswegen die Regelung des Grenzabstandes für Hecken hier nicht zu Anwendung komme.

Der Nachbarstreit landete vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe. Die Richter dort folgten der botanischen Argumentation des Bambus-Liebhabers jedoch nicht, sondern betrachteten die Dinge unter rechtlichen Gesichtspunkten. Danach kommt es beim Begriff der Hecke insbesondere auf die Geschlossenheit der Anpflanzung an. Da Bambus gerne verholzt, ist diese Voraussetzung erfüllt.

Folge: Die Bambusanpflanzung stellt eine Hecke im Sinne des NRG Baden-Württemberg dar. Heckenhöhe und Grenzabstand sind somit einzuhalten und das Heckengras zurückzuschneiden (OLG Karlsruhe, Urteil vom 25.7.2014, 12 U 162/13 ).

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