Auch ein Makler muss in einer Annonce die Pflichtangaben des Energieausweises wiedergeben

 - 

Steht ein Einfamilienhaus zum Verkauf, sind in die Zeitungsannonce die in einem vorhandenen Energieausweis aufgeführten Pflichtangaben mit aufzunehmen. Die gesetzliche Verpflichtung der Energieeinsparverordnung (EnEV) gilt auch für Makler- und Immobilienfirmen, die eine Anzeige aufgeben.

Verbraucherschützer monierten die Geschäftspraxis eines Immobilienmaklers und forderten Unterlassung. Der Makler bewarb in einer Tageszeitung ein zum Verkauf stehendes Einfamilienhaus. In der Annonce fehlten jedoch sämtliche notwendigen Pflichtangaben nach § 16a Abs. 1 EnEV zum vorhandenen Energieausweis, dem Energiebedarf und dem Energieverbrauch.

Der Makler hielt dagegen, die Anzeige enthalte Angaben zum Gesamtenergiebedarf. Das genüge, damit sich etwaige Kaufinteressenten einen Überblick über die zu erwartenden Energiekosten machen können. Zudem verpflichte die EnEV nur den jeweiligen Grundstückseigentümer, nicht auch den Makler.

Das Landgericht Würzburg widersprach dieser Rechtsauffassung. Die Vorschriften der EnEV gelten für Grundstückseigentümer wie für kommerzielle Immobilienmakler gleichermaßen. Der Makler muss als verlängerter Arm des Eigentümers ebenfalls die Pflichtangaben machen.

Liegen ihm diese Angaben nicht vor, muss er sie sich vom Eigentümer verschaffen. Eine Veröffentlichung von Immobilieninseraten ohne die notwendigen Angaben ist unzulässig und stellt einen Wettbewerbsverstoß dar.

Zum einen werden die gesetzlich geschützten Informationsinteressen der Verbraucher nach der EnEV verletzt. Ohne die vollständigen Angaben kann ein Käufer zu einer geschäftlichen Entscheidung kommen, die er anderenfalls nicht getroffen hätte.

Zum anderen verschafft sich der Makler auf diese Weise Vorteile gegenüber Konkurrenten durch organisatorische und arbeitszeitliche Entlastung (z.B. muss er keine Zeit dafür aufwenden, die Angaben zu recherchieren).

Der Makler muss diese unlautere Geschäftspraxis unterlassen. Im Wiederholungsfall droht ihm sonst ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 250.000,00 € (LG Würzburg, Urteil vom 10.9.2015, 1 HK O 1046/15 ).

Weitere News zum Thema

  • Wer haftet für Müllgebühren?

    [] Zahlt der Mieter die fälligen Abfallgebühren nicht, kann die zuständige Behörde die ausstehenden Gebühren vom Grundstückseigentümer auch nachträglich verlangen. mehr

  • Wann ist ein Grundstückskaufvertrag sittenwidrig?

    [] Ob ein Immobilienkaufvertrag wegen eines besonders groben Missverhältnisses zwischen Kaufpreis und Verkehrswert sittenwidrig ist, ist eine Frage des Einzelfalls und der wirtschaftlichen Betrachtung. Trägt der Verkäufer die Erwerbsnebenkosten, die normalerweise vom Käufer zu tragen sind, fließt dies in die Prüfung der Sittenwidrigkeit mit ein. Diese Kosten sind von der Leistung des Käufers abzuziehen. mehr

  • Immobilienerwerb: Größe und andere Eigenschaften gehören in den notariellen Kaufvertrag

    [] Eine vorvertragliche Beschreibung von Eigenschaften eines Grundstücks oder Gebäudes durch den Verkäufer (z.B. Wohnflächengröße) führt grundsätzlich nur dann zu einer sogenannten Beschaffenheitsvereinbarung , wenn sie auch im notariellen Kaufvertrag festgehalten wird. Andernfalls kann der Käufer keine Ansprüche herleiten, wenn sich nachträglich herausstellt, dass beispielsweise die tatsächliche Wohnfläche von der beschriebenen abweicht. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.