Wer haftet bei einer fehlerhaften Ankaufuntersuchung eines Pferdes?

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Wird in einem Kaufvertrag über ein Pferd die MÄngelhaftung der Verkäuferin ausgeschlossen und eine Ankaufsuntersuchung vereinbart, so haftet der Tierarzt für gesundheitliche Mängel des Tieres – nicht der Verkäufer.

Die Reiterin kaufte ein Pferd für 8.000,00 €. Im Kaufvertrag wurde die Mängelhaftung der Verkäuferin ausgeschlossen. Außerdem sollte vor Abschluss des Kaufvertrages eine Ankaufuntersuchung durchgeführt werden. Die untersuchende Tierärztin stellte bei dem Pferd aber lediglich zwei für die Kaufentscheidung unbedeutende Engstellen in der Wirbelsäule fest.

Bereits kurz nach der Übergabe des Pferdes kam es zu zahlreichen Auffälligkeiten (z.B. stieg das Pferd wiederholt mit den Vorderbeinen in die Luft, bockte und biss in der Sattellage). Die Käuferin trat deshalb vom Kaufvertrag zurück und verlangte von der Verkäuferin, das Pferd zurückzunehmen.

Das Oberlandesgericht Oldenburg entschied, die Verkäuferin haftet nicht für die Mängel des Pferdes. Der Kaufvertrag weist das Risiko der fehlerhaften Ankaufuntersuchung unmissverständlich der Käuferin zu. Sie muss sich also in Haftungsfragen an die Tierärztin.

Laut Sachverständigengutachten war die Untersuchung fehlerhaft. Das Tier litt unter erheblichen Gesundheitsproblemen, die weit über das hinausgingen, was die Ärztin zunächst festgestellt hatte.

Im Kaufvertrag wurde ausdrücklich geregelt, dass die Ankaufuntersuchung Gegenstand des Kaufvertrages ist und die Parteien einvernehmlich die gesundheitliche Beschaffenheit des Pferdes feststellen, wenn die Untersuchung vom Tierarzt mangelfrei wird. Das Ergebnis einer fehlerhaften tierärztlichen Untersuchung ist jedoch nicht Gegenstand des Vertrages geworden (OLG Oldenburg, Urteil vom 4.3.2015, 5 U 159/14 ).

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