Muss Herrchen in die Klinik, darf der Hund nicht gleich verkauft werden

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Ein im Tierheim abgegebener Hund darf nicht ohne vorherige Ankündigung veräußert werden, nur weil das Herrchen für rund zwei Monate stationär in einem Krankenhaus behandelt wird.

Ein Haustierbesitzer wurde im Januar 2013 notfallmäßig in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. In der Wohnung des Patienten fand die Polizei einen Hund und eine Katze. Die Tiere wurden zunächst in die Tiersammelstelle gebracht.

Der stationäre Aufenthalt des Tierhalters sollte rund zwei Monate dauern. Der Betreuer des Patienten bot dem Tierheim umgehend an, den Hund vorübergehend bei einer erfahrenen Hundehalterin unterzubringen.

Doch bereits nach vier Tagen wurde der Hund vom Veterinäramt zur Vermittlung freigegeben und am 27.1.2013 an neue Besitzer verkauft, ohne den bisherigen Eigentümer zu informieren.

Das Verwaltungsgericht Berlin entschied, die amtliche Veräußerung des Hundes war nicht rechtmäßig.

Ein Tier darf zwar zunächst in amtliche Verwahrung genommen werden (z.B. anlässlich eines Notfalls). Es darf aber nicht gleich verkauft werden. Eine solche Verkaufsabsicht muss dem Hundehalter zudem vorher mitgeteilt werden. Dieser muss die Möglichkeit haben, den Verkauf abzuwenden (z.B. anderweitige Unterbringung des Tieres, Rechtsschutz gegen die Entscheidung des Tierheims).

Hier hatte der unter einer psychischen Erkrankung leidende Hundehalter sich stets gut um seinen Vierbeiner gekümmert. Der Hund war in einem guten Zustand als er ins Tierheim kam. Außerdem attestierten die behandelnden Ärzte, der Hund trägt zur Stabilisierung des Kranken bei.

Folge: Die Behörde muss sich darum bemühen, den Hund von den neuen Eigentümern zurückzukaufen (VG Berlin, Urteil vom 19.2.2013, VG 24 L 25.13 ).

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