Auch bei Fehldiagnose eines Tierarztes gelten die Haftungsgrundsätze der Humanmedizin

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Bei einem groben Behandlungsfehler eines Tierarztes (z.B. bei einem Befunderhebungsfehler) kommt es zur Umkehr der Beweislast. Er muss im Streitfall beweisen, dass der Fehler nicht für einen danach entstandenen Schaden verantwortlich ist. Es finden die in der Humanmedizin entwickelten Rechtsgrundsätze zur Haftung und zur Beweislastumkehr auch im Bereich tierärztlicher Behandlung Anwendung.

Eine Züchterin stellte einen wertvollen Zuchthengst einem Tierarzt wegen einer Verletzung am rechten hinteren Bein zur Behandlung vor. Der Veterinär behandelte die Wunde, nahm aber keine weiteren Untersuchungen vor.

Es stellte sich ein paar Tage später jedoch heraus, dass der Hengst einen Knochenriss erlitten hatte. Ein anderes Pferd hatte ihn getreten. Beim Aufstehen brach sich deshalb das Pferd das Bein. Die Operation gelang nicht, das Pferd musste eingeschläfert werden.

Die Züchterin verlangte vom Tierarzt Schadensersatz für die Folgen des Behandlungsfehlers – es ging um mehr als 110.000,00 €. Der Tierarzt war jedoch der Auffassung, das Bein des Pferdes wäre sowieso gebrochen.

Hier ging es am Ende um die Frage der Beweislast: Die Pferdehalterin konnte nicht beweisen, dass der Tierarzt durch eine entsprechende Behandlung den Bruch hätte verhindern können. Der Tierarzt konnte im Gegenzug nicht beweisen, dass das Bein sowieso gebrochen wäre.

Der Bundesgerichtshof bejahte die Haftung des Tierarztes für den Diagnosefehler. Hier hätte der Arzt erkennen müssen, dass die Möglichkeit einer Fissur bestand und er hätte weitere Untersuchungen vornehmen müssen, die die Fissur bestätigt hätten.

Darüber müssen Tierärzte bei einem groben Behandlungsfehler im Streitfall grundsätzlich beweisen, dass der Fehler nicht für einen danach entstandenen Schaden verantwortlich ist. Steht also fest, dass ein Tierarzt bei der Behandlung eines Tieres einen groben Behandlungsfehler oder Befunderhebungsfehler begangen hat und bleibt ungeklärt, ob dieser Fehler ursächlich war für einen Schaden, den das Tier erlitten hat, trägt der Tierarzt die Beweislast.

Die in der Humanmedizin entwickelten Rechtsgrundsätze zur Beweislastumkehr bei groben Behandlungsfehlern sind nach dieser Entscheidung auch bei tierärztlichen Behandlungen anzuwenden (BGH, Urteil vom 10.5.2016, VI ZR 247/15 ).

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