Schadensersatz wegen verspäteter Zeugniserteilung setzt vorherige Mahnung voraus

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Wer einen neuen Job nicht bekommt, weil er das Endzeugnis seines ehemaligen Arbeitgebers nicht rechtzeitig vorlegen kann, hat keinen Anspruch auf Schadensersatz. Die Haftung für ein verspätetes Arbeitszeugnis setzt eine vorherige Mahnung voraus.

Ein Außendienstmitarbeiter hatte sich mit seinem ehemaligen Arbeitgeber in einem gerichtlichen Vergleich darauf geeinigt, dass ihm ein qualifiziertes, wohlwollendes Zeugnis erteilt wird. Der Arbeitgeber stellte daraufhin umgehend ein Zwischenzeugnis aus, das die Grundlage für das Endzeugnis liefern sollte. Der beurteilte Arbeitnehmer war damit jedoch nicht einverstanden und verlangte zweimal Korrekturen.

Dabei erwähnte er das Endzeugnis nicht, obwohl er es dringend für ein parallel laufendes Bewerbungsverfahren benötigt hätte. Doch davon wusste sein ehemaliger Arbeitgeber nichts. Als er zur zweiten Vorstellungsrunde eingeladen wurde, sollte er das letzte Arbeitszeugnis mitbringen. Da er nur das Zwischenzeugnis vorlegen konnte, wurde seine Bewerbung abgelehnt. Der Mann machte daraufhin seinen ehemaligen Arbeitgeber für die Absage verantwortlich und verlangte Schadensersatz.

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein versagte ihm den Anspruch jedoch. Der ehemalige Arbeitgeber hat seine Vertragspflichten nicht durch eine verspätete Ausstellung des Arbeitszeugnisses verletzt. Der Arbeitnehmer ist allein dafür verantwortlich, dass das Endzeugnis zu spät ausgestellt wurde, und er es seinem Wunscharbeitgeber nicht vorlegen konnte. Der Mann hätte seinem ehemaligen Arbeitgeber von der parallel laufenden Bewerbung erzählen und Druck machen müssen, dass er das Endzeugnis dringend bis zu einem bestimmten Termin benötigt. Stattdessen hatte er in der Auseinandersetzung um das Zwischenzeugnis das Endzeugnis mit keinem Wort erwähnt (LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 1. 4. 2009, Az. 1 Sa 370/08).

Worauf Sie sonst noch bei Form, Inhalt und Sprache eines Arbeitszeugnisses achten sollten, lesen Sie in der Gruppe 6 der "Rechtstipps".

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