Schadensersatz wegen Benachteiligung einer Schwangeren bei Stellenbesetzung

 - 

Besetzt ein Arbeitgeber eine Stelle mit einem männlichen Bewerber, trifft die nicht berücksichtigte schwangeren Mitbewerberin die Beweislast für eine geschlechtsspezifische Benachteiligung. Sie muss neben der Schwangerschaft weitere Tatsachen vortragen, die diese Vermutung stützen. Hieran sind jedoch keine strengen Anforderungen zu stellen.

Die Mitarbeiterin war als eine von drei Abteilungsleitern unter Leitung des "Vizepräsidenten" Herrn E. für die Beklagte im Bereich "International Marketing" tätig. Als Herr E. im September 2005 seinen Posten aufgab, besetzte ihn der Arbeitgeber mit einem männlichen Kollegen. Die schwangere Mitarbeiterin sah darin eine Benachteiligung aufgrund ihres Geschlechts und machte Schadensersatzansprüche geltend. Der Arbeitgeber entgegnete, für die getroffene Auswahl sprächen sachliche Gründe.

Das Bundesarbeitsgericht hat anhand dieses Falls die Frage der Beweislast entschieden. Es gilt: Bewirbt sich eine schwangere Arbeitnehmerin um eine Stelle und erhält ein männlichen Mitbewerber die Stelle, muss die Arbeitnehmerin eine geschlechtsspezifische Benachteiligung glaubhaft machen. Dazu hat sie außer der Schwangerschaft weitere Tatsachen vortzutragen, die eine Benachteiligung wegen ihres Geschlechts vermuten lassen. An diesen weiteren Tatsachenvortrag sind jedoch keine strengen Anforderungen zu stellen.

Hier könnte es beispielsweise ausreichen, dass die Mitarbeiterin vorgetragen hat, sie sei Vertreterin von Herrn E. gewesen. Dieser habe ihr seine Nachfolge in Aussicht gestellt. Zudem sei ihr anlässlich der Bekanntgabe der Entscheidung gesagt worden, sie solle sich auf ihr Kind freuen. Der Fall wurde zur Entscheidung an das Landesarbeitsgericht zurückverwiesen (BAG, Urteil vom 24 .4. 2008, Az. 8 AZR 257/07).

Weitere News zum Thema

  • Mindestlohn als Grundlage der Nachzahlung für Dauerpraktikantin

    [] Eine als Praktikantin angestellte Mitarbeiterin, die mehr als fünf Jahre lang 43 Stunden pro Woche für ein Monatsgehalt von nur 300,00 € beschäftigt war, kann verlangen, dass der Arbeitgeber Vergütung, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge nachzahlt. Grundlage der Vergütung für Dauerpraktikanten ist der Mindestlohn. mehr

  • Schülerin wegen Beleidigung eines Lehrers auf Facebook verurteilt

    [] Cybermobbing ist ein insbesondere an Schulen verbreitetes Problem – meist tritt es unter Schülern auf. Doch es trifft auch Lehrer. Hier wehrte sich ein Pädagoge mit den Mitteln des Strafrechts gegen ein Posting auf Facebook und erstattete Anzeige. Eine 14-jährige Schülerin wurde wegen Beleidigung des Lehrers auf ihrer Facebook-Seite zu 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. mehr

  • Entgeltfortzahlung auch während einer ambulanten Kur?

    [] Gesetzlich Versicherte haben während einer ambulanten Vorsorgekur gegen ihren Arbeitgeber nur dann einen Entgeltfortzahlungsanspruch, wenn die vom Sozialleistungsträger (z.B. der Krankenkasse) bewilligte Maßnahme in einer Einrichtung der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation i.S.d. § 107 Abs. 2 SGB V durchgeführt wird und keinen urlaubsmäßigen Zuschnitt hat. Betroffene müssen daher gegebenenfalls Urlaub nehmen, um die Kur durchführen zu können. mehr

  • Schulessen muss kein veganes Angebot umfassen

    [] Schüler an einer Ganztagsschule haben keinen Anspruch auf veganes Mittagessen. Es besteht keine rechtliche Verpflichtung, die gesamte Vielfalt verschiedener Ernährungsüberzeugungen von Eltern und Kindern im Ernährungsangebot der Schule zu berücksichtigen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.