Arbeitverhältnis: Zur Benachteiligung Schwangerer bei Beförderung

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Bewirbt sich eine schwangere Arbeitnehmerin um eine höhere Position und besetzt der Arbeitgeber, dem die Schwangerschaft bekannt ist, die Stelle mit einem Mann, kann die Frau Schadensersatz geltend machen. Vorausgesetzt, sie kann eine geschlechtsspezifische Benachteiligung glaubhaft machen. Daran sind jedoch keine strengen Anforderungen zu stellen.

Eine Abteilungsleiterin war seit April 2001 bei Sony BMG beschäftigt. Sie war die einzige weibliche Mitarbeiterin von insgesamt drei Ableitungsleitern im Bereich "International Marketing". Als die Stelle des übergeordneten "Vice President" im September 2005 neu zu besetzen war, erhielt ein Mann den Zuschlag und nicht die damals schwangere Mitarbeiterin. Der Arbeitgeber wusste von ihrer Schwangerschaft.

Die Frau klagt auf Entschädigung wegen geschlechtsspezifischer Benachteiligung. Sie sei ausschließlich wegen ihrer Schwangerschaft nicht befördert worden. Der Arbeitgeber behauptete, für die getroffene Auswahl sprächen sachliche Gründe.

Das Verfahren zieht sich seit Jahren hin und war bereits einmal bis hoch zum Bundesgerichtshof gegangen. Dieser stellte nun erneut klar, dass es zum Nachweis der Benachteiligung genügt, wenn außer der Schwangerschaft weitere Tatsachen vorgetragen werden, durch welche sich die Benachteiligung vermuten lässt. Hieran sind aber keine strengen Anforderungen zu stellen. Allein die statistisch begründete Aussage, Frauen seien in Leitungsfunktionen unterrepräsentiert, reicht hierfür jedoch nicht aus.

Folge: Das BAG hat den Fall an das Landesarbeitsgericht zurückverwiesen. Es monierte, die Kollegen dort hätten die Anforderungen an die Glaubhaftmachung der Benachteiligung rechtsfehlerhaft überhöht (BAG, Urteil vom 27. 1. 2011, Az. 8 AZR 483/09).

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