Arbeitszeugnis: Arbeitgeber darf keine weiteren Auskünfte über den Arbeitnehmer im Zeugnis anbieten

 - 

Ein Arbeitgeber darf in einem Arbeitszeugnis nicht anbieten, dass er künftigen Arbeitgebern für Nachfragen hinsichtlich der Leistung des beurteilten Arbeitnehmers zur Verfügung steht. Ein entsprechendes Angebot ist ersatzlos zu streichen.

Eine kaufmännische Angestellte erhielt nach kurzer Beschäftigungsdauer ein Arbeitszeugnis. Darin fand sich folgender Hinweis: "Gerne stehen wir jedem zukünftigen Arbeitgeber von Frau (...) hinsichtlich Nachfragen über die Qualität der von ihr geleisteten Arbeiten zur Verfügung."

Die beurteilte Arbeitnehmerin war mit diesem Satz nicht einverstanden und verlangte, das Zeugnis zu ändern. Der Arbeitgeber verteidigte sich. Er habe das Zeugnis korrekt ausgestellt. Die streitige Formulierung sei ein positives Signal für mögliche neue Arbeitgeber, die im Zeugnis attestierte gute Beurteilung der Mitarbeiterin auch telefonisch zu bestätigen.

Das Arbeitsgericht Herford ließ sich davon nicht überzeugen. Die Frau hat einen Anspruch auf Zeugnisberichtigung. Der fragliche Satz ist aus dem erteilten Zeugnis ersatzlos zu streichen. Er widerspricht dem Grundsatz, ein Zeugnis klar und verständlich zu formulieren. Insbesondere darf es keine versteckten Botschaften enthalten. Darunter versteht man Aussagen und Bewertungen der Leistung oder des Verhaltens eines Arbeitnehmers, die quasi "durch die Blume" an einen neuen Arbeitgeber weitergegeben werden sollen. Derart verschlüsselte Botschaften sind unzulässig.

Also solche bewertete das Gericht die hier streitige Formulierung. Sie ist ungewöhnlich und überraschend. Außerdem erweckt sie den Eindruck, die tatsächliche Leistung der Arbeitnehmerin weiche von der Bewertung im Zeugnis erheblich ab. Darauf, dass der Arbeitgeber es subjektiv "gut gemeint" hat, kommt es nicht an (ArbG Herford, Urteil vom 1. 4. 2009, Az. 2 Ca 1502/08).

Worauf es in einem Arbeitszeugnis noch ankommt (z. B. Form, Sprache, Inhalt), erfahren Sie in den "Rechtstipps" in Gruppe 6.

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.