Arbeitsverhältnis: Vorschriften über das Aussehen von Beschäftigten müssen angemessen sein

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Das Landesarbeitsgericht Köln nahm Dienstvorschriften über Dienstkleidung und zur Sicherstellung eines ordentlichen Erscheinungsbildes unter die Lupe. Infrage gestellt wurden unter anderem Regelungen über Fingernägel, Haare und Unterwäsche.

Eine Sicherheitsfirma sah für ihre Mitarbeiter umfangreiche Dienstvorschriften vor. Unter anderem sollten weibliche Mitarbeiter ihre Fingernägel nur einfarbig lackieren, männliche keine künstlichen Haarteile tragen dürfen.

Dem Betriebsrat der Firma, die am Flughafen Köln/Bonn im Auftrag der Bundespolizei Passagiere kontrolliert, gingen die Vorschriften zu weit. Er klagte gegen die Regelungen.

Das Landesarbeitsgericht Köln nahm die einzelnen Punkte des Vorschriftenkataloges unter die Lupe und kam zu folgendem Schluss:

Folgende Vorschriften sind zulässig. Sie beeinträchtigen das Persönlichkeitsrecht der Mitarbeiter nicht unverhältnismäßig, weil sie dem Schutz der vom Arbeitgeber gestellten Dienstkleidung und einem ordentlichen Erscheinungsbild dienen:

  • Das Tragen von BHs, Bustiers, bzw. eines Unterhemdes ist vorgeschrieben. Damit werden die vom Arbeitgeber gestellten Kleidungsstücke geschützt und weniger schnell abgenutzt.
    • Die Unterwäsche ist in weiß oder in Hautfarbe ohne Muster/Beschriftungen/Embleme etc. zu tragen bzw. anders farbige Unterwäsche darf in keiner Form durchscheinen.
    • Feinstrumpfhosen sowie Socken dürfen keinerlei Muster, Nähte oder Laufmaschen aufweisen.
    • Männliche Mitarbeiter müssen die Haare immer sauber tragen, die dürfen niemals ungewaschen oder fettig wirken. Eine gründliche Komplettgesichtsrasur bei Dienstantritt ist Voraussetzung; alternativ ist ein gepflegter Bart gestattet.
    • Fingernägel dürfen nur in maximale Länge von 0,5 Zentimetern über der Fingerkuppe getragen werden. Hierdurch wird die Verletzungsgefahr bei der Kontrolle der Passagier gemildert, so dass die Vorschrift nicht zu beanstanden ist.
    Andere Teile der Regelung über das Erscheinungsbild der Mitarbeiter hielt das Gericht hingegen für zu weitreichend und damit für unzulässig:

    • Fingernägel sind einfarbig zu lackieren. Die Farbe des Nagellacks darf der Arbeitgeber nicht vorschreiben. Hier ist also mehr- und einfarbig erlaubt. Ein einheitliches Erscheinungsbild der Mitarbeiter wird über die Dienstkleidung gewährleistet. Die Farbe der Fingernägel tritt dahinter zurück.
      • Männlichen Beschäftigten darf das Tragen künstlicher Haarteile nicht verboten werden. Denn ein Haarteil kann für das Selbstwertgefühl eines unter frühem Haarverlust leidenden Mitarbeiters von wesentlicher Bedeutung sein.
      • Bei Haarfärbungen dürfen ausschließlich natürlich wirkende Farben verwendet werden. Da ohnehin alle Arbeitnehmer unterschiedliche Haarfarben haben, dient diese Vorgabe nicht dem Stärken des einheitlichen Erscheinungsbildes.
      LAG Köln, Beschluss vom 18. 8. 2010, Az. 3 TaBV 15/10

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