Arbeitsverhältnis: Aufforderung zum Sprachkurs ist keine ethnische Benachteiligung

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Ein Arbeitgeber darf von seinen Mitarbeitern verlangen, dass diese die Schulbank drücken, sofern dies für ihre Arbeit notwendig ist. Deshalb wird ein ausländischer Arbeitnehmer nicht benachteiligt, wenn er aufgefordert wird, an einem Deutschkurs teilzunehmen.

Eine kroatische Arbeitnehmerin war langjährig in einem Schwimmbad beschäftigt. Sie war als Reinigungskraft eingestellt worden. Vor über 14 Jahren wurde ihr dann zusätzlich Kassenbefugnis erteilt, und sie vertrat gelegentlich die Kollegen an der Kasse.

Im Frühjahr 2006 forderte ihr Arbeitgeber sie auf, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Dazu sollte sie außerhalb der Arbeitszeit einen Kurs belegen. Die Kostenübernahme dafür lehnte der Schwimmbadbetreiber aber ab. Die Frau nahm keinen Deutschunterricht, was ihr in der Folge eine Abmahnung bescherte. Sie fühlte sich aufgrund ihrer ethnischen Herkunft benachteiligt und verlangte eine Entschädigung in Höhe von 15.000,- Euro.

Das Bundesarbeitsgericht hatte das letzte Wort und bestätigte, ein Arbeitgeber darf von einem Arbeitnehmer verlangen, dass dieser an einem Sprachkurs teilnimmt, wenn seine Tätigkeit ausreichende Deutsch- oder (Fremdsprachen-)Kenntnisse erfordert.

Im Einzelfall kann es zwar gegen Regelungen des Arbeitsvertrages oder eines Tarifvertrag verstoßen, wenn der Arbeitnehmer den Kurs selbst bezahlen oder er ihn außerhalb der Arbeitszeit absolvieren muss.

Ein solcher Verstoß stellt aber keine unzulässige Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft dar, der Entschädigungsansprüche auslöst (BAG, Urteil vom 22. 6. 2011, Az. 8 AZR 48/10).

 

 

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