Was droht beim Mitführen eines Handys in die mündliche Prüfung?

 - 

Wer unerlaubterweise ein Handy in eine Prüfung mitnimmt, dem kann ein Täuschungsversuch vorgeworfen werden. Allerdings ist bei den Sanktionen zwischen mündlicher und schriftlicher Prüfung zu unterscheiden. Die Bewertung einer mündlichen Abschlussprüfung mit der Sanktionsnote ungenügend ist nicht in jedem Fall gerechtfertigt.

Eine Fachhochschulabsolventin hatte zu ihrer mündlichen Abschlussprüfung ein Handy in ihrem Rucksack mitgeführt, der jedoch in einiger Entfernung zum Prüfungstisch am Boden lag. Kurz vor Beginn der mündlichen Prüfung klingelte das Telefon, die Frau schaltete es aus.

Die anschließende Prüfung wurde mit gut bewertet. Nachträglich erfuhr die stellvertretende Schulleiterin vom Handy-Vorfall. Sie korrigierte das Prüfungsergebnis in ein ungenügend. Die Studentin habe sich eines Täuschungsversuches schuldig gemacht, weil sie ein Handy während der Prüfung mit sich geführt habe.

Der Prüfling setzte sich gegen die Sanktionsnote zur Wehr. Sie habe das Handy während der Prüfung nicht benutzt und somit keine Täuschungshandlung begangen. Das Telefon sei in der Tasche verblieben, was drei Prüfer bezeugen könnten.

Das Verwaltungsgericht Karlsruhe gab der jungen Frau Recht. Die Note muss auf ein gut zurückgeändert werden. Die Korrektur der Prüfungsleistung in ein ungenügend war nicht verhältnismäßig.

Zwar macht sich, wer während einer Prüfung ein Handy mit sich führt, eines Täuschungsversuchs schuldig und muss mit der Sanktionsnote ungenügend rechnen. Denn das Mitführen von unerlaubten Hilfsmitteln ist nicht gestattet.

Doch muss je nach Einzelfall entschieden werden, und die Sanktion kann somit milder ausfallen. So besteht beispielsweise bei einer mündlichen Prüfung kaum Gelegenheit, ein Handy für einen Täuschungsversuch zu verwenden. Außerdem müssen die Prüfer vor jeder Prüfung noch einmal deutlich auf ein Verbot hinweisen. Das hatte die Schule hier versäumt. Sie hatte lediglich im Rahmen der schriftlichen Prüfung auf ein entsprechendes Handyverbot aufmerksam gemacht (VG Karlsruhe, Urteil vom 29.6.2011, 7 K 3433/10 ).

Weitere News zum Thema

  • Schülerin wegen Beleidigung eines Lehrers auf Facebook verurteilt

    [] Cybermobbing ist ein insbesondere an Schulen verbreitetes Problem – meist tritt es unter Schülern auf. Doch es trifft auch Lehrer. Hier wehrte sich ein Pädagoge mit den Mitteln des Strafrechts gegen ein Posting auf Facebook und erstattete Anzeige. Eine 14-jährige Schülerin wurde wegen Beleidigung des Lehrers auf ihrer Facebook-Seite zu 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. mehr

  • Schulessen muss kein veganes Angebot umfassen

    [] Schüler an einer Ganztagsschule haben keinen Anspruch auf veganes Mittagessen. Es besteht keine rechtliche Verpflichtung, die gesamte Vielfalt verschiedener Ernährungsüberzeugungen von Eltern und Kindern im Ernährungsangebot der Schule zu berücksichtigen. mehr

  • Schmerzensgeld nach Schulhofschlägerei

    [] Ein Schüler hatte einen anderen Schüler nach einem Streit mit einem Besenstiel attackiert und dabei leicht verletzt. Die Schulhofschlägerei endete mit einer Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 250,00 €. mehr

  • Wann Schulschwänzer eine Unterhaltskürzung riskieren

    [] Die Bandbreite an Sanktionen gegenüber hartnäckigen Schulschwänzern ist groß. Sie reicht von schriftlichen Verweisen über die Begleitung durch das Ordnungsamt und kann auch finanzielle Folgen haben: Denn wer die Schule schwänzt, läuft Gefahr, seinen Unterhaltsanspruch gegen die Eltern zu verlieren – zumindest dann, wenn er nicht mehr der gesetzlichen Schulpflicht unterliegt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.