Vorausgegangenes Praktikum wird nicht auf Probezeit angerechnet

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Das Bundesarbeitsgericht stellte fest: Probezeit bleibt Probezeit. Deshalb wird die Zeit eines vorherigen Praktikums auf die Probezeit in einem Berufsausbildungsverhältnis nicht angerechnet.

Ein junger Mann hatte sich im Frühjahr um eine Ausbildungsstelle zum Einzelhandelskaufmann beworben. Sein späterer Ausbildungsbetrieb sagte ihm die Lehrstelle zum 1.8.2013 zu. Zur Überbrückung der Zeit bis Ausbildungsbeginn absolvierte der Mann ein Praktikum in diesem Betrieb. Die Parteien schlossen dazu einen Praktikantenvertrag ab, der am 31.7.2013 endete.

Zudem wurde ein gesonderter Berufsausbildungsvertrag abgeschlossen. Dieser sah eine Probezeit von drei Monaten vor.

Der Ausbilder kündigte das Ausbildungsverhältnis zum Ende der Probezeit mit Schreiben vom 29.10.2013 mit sofortiger Wirkung. Der Azubi hielt die Kündigung für unwirksam, sie sei nach Ablauf der Probezeit erfolgt. Das vorausgehende Praktikum müsse auf die Probezeit angerechnet werden. Der Ausbildungsbetrieb habe sich bereits während dieser Zeit ein genaues Bild von ihm machen können.

Das Bundesarbeitsgericht bestätigte mit seinem Urteil die Vorinstanzen und die Wirksamkeit der Kündigung. Das Berufsausbildungsverhältnis durfte während der Probezeit ohne Einhalten einer Kündigungsfrist gekündigt werden (§ 22 Satz 1 BBiG).

Die mehrmonatige Praktikantentätigkeit des Azubis im selben Betrieb vor dem 1.8.2013 ist nicht zu berücksichtigen. Probezeit bleibt Probezeit, stellten die obersten Arbeitsrichter fest. Deshalb ist die Dauer eines vorausgegangenen Praktikums ist nicht auf die Probezeit in einem folgenden Berufsausbildungsverhältnis anzurechnen – unabhängig von seinem Inhalt. Eine Tätigkeit vor der Ausbildung ist auch dann nicht zu berücksichtigen, wenn es sich nicht um ein Praktikum, sondern um ein Arbeitsverhältnis gehandelt hätte.

Eine Probezeit nach § 20 Satz 1 BBiG ist zwingend gesetzlich vorgeschrieben. Hier sollen sich beide Parteien des Ausbildungsverhältnisses gegenseitig unter den Bedingungen des Berufsausbildungsverhältnisses mit seinen spezifischen Pflichten kennenlernen und prüfen (BAG, Urteil vom 19.11.2015, 6 AZR 844/14 ).

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