Unterrichtsausschluss nach unbefugter Weitergabe eines PC-Passwortes

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Wer unbefugt ein fremdes Computer-Passwort an Mitschüler weitergibt, die damit Unfug treiben (z.B. Aufruf pornografischer Internetseiten), darf wegen dieses schweren Fehlverhaltens mehrere Tage vom Unterricht ausgeschlossen werden.

Ein 16-jähriger Gymnasiast fand im Computerraum seiner Schule das Passwort eines Mitschülers. Dieses Passwort gab er unberechtigt an andere Mitschüler weiter, die damit unter anderem pornografische Seiten aufriefen und herunterluden sowie das Computerspiel Counterstrike im Schülertauschverzeichnis ablegten.

Durch das Herunterladen der pornografischen Seiten änderten die Schüler zugleich das Schülerprofil des Schülers, dem das Passwort gehörte. Die Direktorin der Schule sprach gegen den 16-Jährigen einen 4-tägigen Unterrichtsausschluss aus. Er ging gegen diese Maßnahme gerichtlich vor.

Doch das Verwaltungsgericht Stuttgart bestätigte die Maßnahme der Schulleitung. Die unbefugte Weitergabe des Computer-Passwortes an Mitschüler stellt ein schweres Fehlverhalten dar. Durch den Unfug, der damit Dritten möglich wurde, wurde das Persönlichkeitsrecht des Schülers, dem das Passwort zugestanden hat, verletzt (z.B. durch den Aufruf pornografische Seiten oder durch die Änderung des Schülerprofils).

Das Fehlverhalten des Schülers, der Mitglied der Hardware AG der Schule war, wiegt besonders schwer, weil der mit dem Missbrauch des Passwortes rechnen musste und diesen weder unterbunden noch der Schulleitung gemeldet hat. Vielmehr versuchte er, die Dinge zu vertuschen.

Die Entscheidung der Direktorin, einen 4-tägigen Unterrichtsausschluss zu verhängen, ist deshalb gerechtfertigt. Mildere pädagogische Maßnahmen entsprechen hier nicht der Schwere des Fehlverhaltens (VG Stuttgart, Urteil vom 16.3.2015, 12 K 1320/15 ).

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