Fristlose Kündigung nach dem Verzehr belegter Brötchen?

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Wer im Dienst acht halbe belegte Brötchen mit seinen Kollegen isst, die für externe Mitarbeiter bestimmt waren, dem darf nach langer Betriebszugehörigkeit (hier: 23 Dienstjahre) nicht in jedem Fall fristlos gekündigt werden. Es kommt stets auf die Umstände des Einzelfalls an.

Eine Krankenschwester war 23 Jahre an der Klinik beschäftigt. Sie hatte in einer Pause gemeinsam mit Kolleginnen acht halbe belegte Brötchen gegessen, die eigentlich für externe Mitarbeiter und Rettungskräfte vorgesehen waren. Ihr eigenes Frühstück war aus dem Kühlschrank entwendet worden. Die Frau räumte umgehend ein, die Brötchen mit den anderen Kolleginnen gegessen zu haben.

Der Frau wurde wegen der Entwendung geringwertiger Sachen fristlos gekündigt. Dagegen setzte sie sich zur Wehr. Mit Erfolg.

Das Arbeitsgericht Hamburg bestätigte den Grundsatz, dass der Diebstahl auch geringwertiger Sachen (hier: belegte Brötchen) ein wichtiger Grund ist, der eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen kann. Das gilt auch in langjährigen Beschäftigungsverhältnissen.

Jedoch ist bei einem solchen Sachverhalt stets eine Einzelfallprüfung vorzunehmen. So ist zugunsten des Arbeitnehmers beispielsweise zu berücksichtigen, ob er die Pflichtverletzung einräumt oder heimlich handelt. Hier hatte die Krankenschwester ihr Fehlverhalten unverzüglich zugegeben und auch eine Erklärung dafür geliefert. Schließlich war ihr eigenes Frühstück entwendet worden.

Eine fristlose Kündigung in einem Bagatellfall ist unverhältnismäßig und somit unwirksam. Die Frau hätte – als milderes Mittel – zunächst abgemahnt werden müssen (ArbG Hamburg, Urteil vom 10.7.2015, 27 Ca 87/15 ).

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