Arbeitnehmer müssen sonntags nicht mit Kündigung im Briefkasten rechnen

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Eine Kündigung, die der Arbeitgeber sonntags in den Briefkasten eines Arbeitnehmers einwirft, gilt erst am folgenden Werktag mit der üblichen Postzustellung als zugegangen – also am Montag. Ein Arbeitnehmer muss sonntags nicht in den Briefkasten schauen. Das gilt auch für den Fall, dass am Sonntag die vereinbarte Probezeit endet und bekannt ist, dass der Arbeitgeber auch sonntags arbeitet.

Eine Rechtsanwaltskanzlei beschäftigte eine Rechtsanwaltsgehilfin auf Probe. Für die Probezeit war eine Kündigungsfrist von zwei Wochen vereinbart (§ 622 Abs. 3 BGB). Die Probezeit endete am 30.11.2014, der auf einen Sonntag fiel. An diesem Tag wurde in der Kanzlei auch gearbeitet. Der Anwalt warf das Kündigungsschreiben am jenem Sonntag in den Hausbriefkasten der Gehilfin. Diese leerte ihren Briefkasten jedoch erst an einem der folgenden Tage.

Die Frau setzte sich mit einer Kündigungsschutzklage gegen die Kündigung zur Wehr. Sie argumentierte, die Kündigung sei erst am Montag, dem 1.12.2014 zugegangen. Zu diesem Zeitpunkt sei die Probezeit bereits beendet gewesen. Es gelte daher nicht mehr die 2-wöchige kurze Kündigungsfrist während der Probezeit, sondern die gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats (§ 622 Abs. 1 BGB).

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein folgte der Argumentation der Arbeitnehmerin. Der Arbeitgeber hat nicht mehr innerhalb der Probezeit gekündigt. Ein Kündigungsschreiben muss dem Arbeitnehmer zugehen. Dies heißt, er muss unter gewöhnlichen Umständen von dem Schreiben Kenntnis erlangen.

Ein Arbeitnehmer ist aber nicht verpflichtet, seinen privaten Briefkasten sonntags auf Posteingang zu überprüfen. Dies gilt selbst dann, wenn die vereinbarte Probezeit an einem Sonntag endet und bekannt ist, dass der Arbeitgeber auch sonntags arbeitet. Eine am Sonntag eingeworfene Kündigung gilt deshalb erst am folgenden Werktag als zugegangen, also am Montag (LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 13.10.2015, 2 Sa 149/15 ).

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