Was umfasst der Jugendarbeitsschutz?

Junge Menschen werden in verschiedenen Lebensbereichen vom Gesetzgeber besonders geschützt, damit sie sich ungestört entwickeln können und sich ihre Gesundheit erhalten. Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) schützt unter 18-Jährige davor, zu früh, zu viel, zu lange und zu schwer zu arbeiten. Der Schutz gilt unabhängig davon, ob sie Auszubildende oder Arbeitnehmer sind. Dabei gelten im Sinne des Gesetzes unter 15-Jährige als Kinder; 15- bis 18-Jährige als Jugendliche. Aber: Sind Jugendliche vollzeitschulpflichtig, gelten für sie grundsätzlich die Vorschriften für Kinder.

Das JArbSchG muss in allen Betrieben zugängig sein, das heißt, es ist auszulegen oder auszuhängen (z.B. am Schwarzen Brett). Der Ausbildende hat die Schutzvorschriften zwingend einzuhalten. Das wird durch die Gewerbeaufsichtsämter bzw. Ämter für Arbeitsschutz kontrolliert.

Wenden Sie sich an diese Behörden, wenn während der Ausbildung die gesetzlichen Vorgaben verletzt werden (z.B. wird der Ausbildungsplan nicht eingehalten). Bestätigen sich die Vorwürfe, kann die Behörde den Ausbildenden ahnden (z.B. ein Bußgeld verhängen oder in schweren Fällen auch die Ausbildungserlaubnis entziehen).

1. Die Zehn Gebote des Jugendarbeitsschutzes

Kinderarbeit ist verboten

Wer jünger ist als 15 Jahre, darf nur unter besonderen Voraussetzungen arbeiten (§ 5 JArbSchG). Vollzeitschulpflichtige Jugendliche ab 15 Jahren dürfen einen Ferienjob von bis zu vier Wochen im Kalenderjahr ausüben. Das Mindestalter für die Zulassung zur regulären betrieblichen Beschäftigung liegt grundsätzlich bei 15 Jahren. Ist jemand bei der Schulentlassung noch nicht 15 Jahre alt, darf er im Rahmen eines Berufsausbildungsverhältnisses beschäftigt werden.

Fünf Tage in der Woche sind genug

Für Jugendliche gilt die 5-Tage-Woche (§ 15 JArbSchG). Das Wochenende, das heißt Samstag und Sonntag, ist generell arbeitsfrei (§§ 16, 17 JArbSchG). Ausnahmen gelten für Branchen, in denen Wochenendarbeit üblich ist (z.B. Gaststätten, Einzelhandel, Krankenhaus, Altenpflege). Aber hier gilt: Jeder zweite Sonntag, mindestens zwei Sonntage im Monat, müssen beschäftigungsfrei sein; bei Samstagsarbeit zwei Samstage im Monat. Zudem erhalten Jugendliche für ihren Wochenendeinsatz einen Ersatzruhetag an einem berufsschulfreien Arbeitstag.

Ruhezeiten sind einzuhalten

Zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn müssen immer zwölf freie Stunden liegen. Arbeitsbeginn ist frühestens 6:00 Uhr, Arbeitsende spätestens 20:00 Uhr (§ 14 JArbSchG). Ausnahmen von der Nachtruhe sind in bestimmten Gewerben bzw. Handwerken möglich (z.B. Hotelerie, Bäckerei)

Die Arbeitszeit ist begrenzt

Jugendliche dürfen nicht länger als acht Stunden täglich und 40 Stunden in der Woche arbeiten (§ 8 Abs. 1 JArbSchG). Ausnahmen sind beispielsweise möglich

  • durch Tarifvertrag. Danach dürfen Jugendliche bis zu neun Stunden arbeiten, wenn ein entsprechender Ausgleich stattfindet (§ 21a JArbSchG);

  • wenn im Ausbildungsbetrieb Gleitzeit gearbeitet wird (z.B. um freitags früher Feierabend zu haben, dürfen Sie an den übrigen Tagen bis zu 8 1/2 Stunden arbeiten).

Höchstdauer der Schichtzeit

Die Obergrenze für Schichtdienste (d.h. Arbeitszeit und Pausen) beträgt grundsätzlich zehn Stunden. Branchenspezifische Abweichungen nach oben (z.B. in der Landwirtschaft, im Gaststättengewerbe) oder nach unten (z.B. im Bergbau unter Tage) regelt das Gesetz (§ 12 JArbSchG).

Erholungspausen sind Pflicht

Arbeiten Jugendliche mehr als sechs Stunden, müssen sie insgesamt 60 Minuten Pause machen. Die erste Pause muss spätestens nach 4 1/2 Stunden eingelegt werden. Dabei darf keine Pause kürzer als 15 Minuten sein (§ 11 JArbSchG).

Jahresurlaub ist garantiert

Der Urlaubsanspruch von jugendlichen Auszubildenden richtet sich nach § 19 JArbSchG. Danach gibt es gestaffelt nach Alter Urlaub:

  • 30 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre alt ist;

  • 27 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre alt ist;

  • 25 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 Jahre alt ist.

Häufig bestehen daneben jedoch Tarifverträge, die eine günstigere Regelung enthalten (z.B. 30 Tage Urlaub für alle Beschäftigten).

Der Urlaub sollte grundsätzlich während der Berufsschulferien genommen werden. Soweit der Auszubildende außerhalb dieser Zeit in Urlaub geht und nicht vom Unterrichtsbesuch befreit wurde, erhält er für jeden Berufsschultag, an dem er die Schule während des Urlaubs besucht, einen weiteren Urlaubstag (§ 19 Abs. 3 JArbSchG).

Bezahlte Freistellungen für Schule und Prüfungen sind garantiert

Für die Dauer der Berufsschule, der vorgeschriebenen Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte (z.B. in überbetrieblichen Lehrwerkstätten) sowie für die Teilnahme an den Prüfungen (d.h. Zwischen- und Abschlussprüfung) werden jugendliche Auszubildende von der Arbeit freigestellt (§§ 9, 10 JArbSchG). Beachten Sie: Azubis müssen am Unterricht teilnehmen, der Besuch ist Pflicht! Selbst wenn im Betrieb dringende Arbeit wartet, kann der Ausbildende keine Befreiung von der Schulpflicht erwirken. Für die Freistellungszeiten gilt:

  • Beginnt der Unterricht vor 9:00 Uhr, müssen Auszubildende vorher nicht zur Arbeit im Betrieb erscheinen. Das gilt auch bei Schulbeginn Punkt 9.00 Uhr oder später, wenn vorher nur eine Stippvisite im Betrieb möglich ist.

  • Fällt der Unterricht unvorhergesehen aus, müssen Lehrlinge nicht in den Betrieb zurückkehren (z.B. bei Hitzefrei).

  • An einem Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden à 45 Minuten brauchen jugendliche Auszubildende nach Unterrichtsende nicht mehr in den Betrieb zurückkehren. Diese völlige Freistellung gilt jedoch nur für einen Berufsschultag pro Woche. Haben Sie beispielsweise zwei Mal pro Woche sechs Stunden Schule, müssen Sie an einem der beiden Berufsschultage nach Unterrichtsende auch noch im Betrieb zur Arbeit erscheinen.

  • Für Blockunterricht gilt: Auszubildende werden freigestellt, wenn sie laut Stundenplan wenigstens 25 Stunden an fünf Tagen Unterricht haben. Zusätzlich dürfen jugendliche Azubis bis zu zwei Stunden für zusätzliche betriebliche Ausbildungsmaßnahmen herangezogen werden. Aufgepasst: Fällt der geplante Blockunterricht für einen kompletten Tag oder länger aus, müssen Sie zum Arbeiten im Betrieb erscheinen. Das gilt auch, wenn der Unterrichtsausfall unvorhergesehen ist.

Der Ausbilder muss den Auszubildenden auffordern, am Berufsschulunterricht teilzunehmen. Es ist überdies sein gutes Recht, die Anwesenheit in der Schule zu kontrollieren. Schwänzt der Azubi den Unterricht, darf er ihn deswegen auch abmahnen. Bei beharrlichem Schwänzen droht sogar eine außerordentliche Kündigung.

Für die Zeit der Freistellung wird grundsätzlich die Ausbildungsvergütung weiterbezahlt (§ 9 JArbSchG). Es darf kein Verdienstausfall durch Berufsschulzeiten oder an Prüfungstagen entstehen. Das gilt für einzelne Berufsschultage, aber auch für die Dauer des Blockunterrichts. Al¬lerdings: Fällt der Schultag auf einen ausbildungsfreien Tag (z.B. auf einen Betriebsruhetag im Friseurhandwerk oder in einer Gaststätte), muss der Auszubildende weder freigestellt noch seine Vergütung fortgezahlt werden.

Wenn Sie unentschuldigt in der Schule oder im Betrieb fehlen

In diesen Fällen darf der Ausbildende die Ausbildungsvergütung anteilig für einen jeden Fehltag um 1/30 kürzen (§§ 10, 11 BBiG).

Gefährliche Jobs sind verboten

Das Verbot soll Jugendliche davor schützen, dass sie Arbeiten verrichten, die ihre Leistungsfähigkeit übersteigen oder die mit besonderen Unfallgefahren verbunden sind. Auch der Umgang mit gefährlichen Stoffen (z.B. Chemikalien) oder mit Strahlen ist verboten. Gleiches gilt für Tätigkeiten, bei denen Jugendliche außergewöhnlicher Hitze, Kälte oder Nässe ausgesetzt sind. Ausnahme: Solche Arbeiten sind erforderlich, um das Ausbildungsziel zu erreichen. In diesem Fall müssen die Jugendlichen fachkundig beaufsichtigt und von ihrem Ausbilder besonders eingewiesen werden (§ 22 JArbSchG).

Beschäftigungsverbote

Für Akkordarbeit oder temporeiche Arbeit dürfen Jugendliche nicht eingesetzt werden. Entsprechende Tätigkeiten dürfen jedoch ohne Zeit- und Stückvorgaben verrichtet werden, sie erhalten dafür einen Zeitlohn. Ausnahmen sind möglich, etwa wenn im Team gearbeitet wird.

2. Wo finden Sie weitere Informationen und Beratung?

Auskunft und Hilfestellung in Fragen rund um den Jugendarbeitsschutz erteilen die Jugendverbände, die Gewerkschaften, aber auch die örtlichen Arbeitsschutzbehörden (d.h. Gewerbeaufsichtsamt, Amt für Arbeitsschutz).

Beim Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit erhalten Sie kostenlos die Broschüre Klare Sache – Jugendarbeitsschutz und Kinderarbeitsschutzverordnung. Sie können sie sich auch direkt aus dem Internet downloaden.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Öffentlichkeitsarbeit und Internet

Wilhelmstraße 49

10117 Berlin

Fax: 030 18 527 2236

info@bmas.bund.de

www.bmas.bund.de

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