Fettleibigkeit kann als Behinderung gelten

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Ist Übergewicht selbst verschuldet oder eine Behinderung, die gesetzlichen Schutz verdient? Die Richter am Europäischen Gerichtshof entschieden, Fettleibigkeit kann bei deutlicher Einschränkung der Teilhabe am Berufsleben als Behinderung angesehen werden, sodass der Schutz vor Diskriminierung greift.

Ein in Dänemark als Tagesvater Beschäftigter war stark übergewichtig. Ihm wurde nach 15 Jahren von seinem Arbeitgeber, der Gemeinde, gekündigt. Während seiner Beschäftigungszeit wog er nie weniger als 160 Kilogramm. Alle Bemühungen, durch die Teilnahme an Abnehm- und Fitnessprogrammen an Gewicht zu verlieren, halfen dauerhaft nicht. Der Mann nahm immer wieder zu. Die Leitung des Betreuungsdienstes hatte ihn mehrfach besucht und sich nach seinen Abnehm-Bemühungen erkundigt.

Die Kündigung wurde seitens des Arbeitgebers damit begründet, der Bedarf an Kinderbetreuung gehe zurück. Bei einer anschließenden Aussprache kam auch das Übergewicht des Angestellten zur Sprache. Die Gemeinde verneinte zwar, dass die Kündigung mit der Adipositas in Zusammenhang stehe, der Mann sah sich jedoch aufgrund seiner Fettleibigkeit benachteiligt.

Der EuGH stellte klar, starkes Übergewicht an sich ist laut EU-Recht kein Diskriminierungsgrund. Jedoch kann die medizinisch als Fettleibigkeit bezeichnete Krankheit (sogenannte Adipositas) als eine Behinderung im Beruf eingestuft werden.

Dies ist beispielsweise der Fall, wenn jemand durch sein Gewicht dauerhaft körperlich, geistig oder psychisch so stark beeinträchtigt ist, dass er nicht gleichberechtigt mit anderen seinen Beruf ausüben kann.

Behinderte Menschen haben nach EU-Recht Anspruch darauf, vor Diskriminierung geschützt zu werden. Dies gilt unabhängig davon, ob der Betreffende möglicherweise selbst zu der Behinderung beigetragen hat (EuGH, Urteil vom 18.12.2014, C-354/13 ).

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