Entgeltfortzahlung bei selbst verschuldeter Verletzung?

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Sechs Wochen lang muss der Arbeitgeber für die Entgeltfortzahlung aufkommen, wenn ein Arbeitnehmer erkrankt. Das gilt grundsätzlich nur für unverschuldete Krankheiten. Doch auch wer sich in einem Wutanfall selbst verletzt und krankgeschrieben wird, hat Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Ein Baumarkt-Mitarbeiter war als Warenauffüller beschäftigt. Dazu benutzte er in der Regel einen Gabelstapler. Auf das Fahrzeug montierte sich der Mann ein Plexiglasdach als Wetterschutz. Der betriebliche Sicherheitsbeauftragte senkte jedoch den Daumen: Das Dach musste wieder abgenommen werden.

Das brachte den Arbeitnehmer so in Rage, dass er zunächst mit Verpackungsmaterial um sich warf und dann mehrfach mit der Faust auf ein Verkaufsschild aus Schaumstoff schlug. Das war aber auf einer Holzstrebe montiert, sodass sich der wütende Mitarbeiter die Hand brach.

Er war fünf Wochen arbeitsunfähig krankgeschrieben. Der Arbeitgeber wollte die Entgeltfortzahlung von insgesamt rund 2.700 € nicht berappen. Schließlich habe der Mann sich seine Verletzung selbst zugefügt und vorsätzlich verschuldet. Spätestens nach dem ersten Schlag gegen das Schild hätte er spüren müssen, dass es auf einer Holzstrebe befestigt war. Er habe aber munter weiter zugeschlagen. Im Ergebnis habe der Arbeitnehmer sich also selbst verletzt und deshalb die Entgeltfortzahlung verwirkt.

Das Landesarbeitsgericht Hessen beurteilte das jedoch anders. Abweichend vom allgemeinen Zivilrecht ist hier ein sehr enger Verschuldensbegriff anzulegen, der die Entgeltfortzahlung ausschließt. Erforderlich ist dazu ein besonders leichtfertiges, grob fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Betroffenen gegen sich selbst.

Der Staplerfahrer wollte sich die Hand nicht mit Absicht brechen, sodass Vorsatz ausscheidet. Auch liegen weder grobe Fahrlässigkeit noch Leichtfertigkeit in dem Verhalten vor. Der Mann hat schlicht in einem heftigen Wut- und Erregungszustand die Kontrolle über sich selbst verloren. Was jedem passieren kann und deshalb schließt die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall nicht ausschließt (Hessisches LAG, Urteil vom 23.7.2013, 4 Sa 617/13 ).

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