Arbeitszeugnis: Arbeitnehmer muss bessere Beurteilung beweisen

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Wer mit der im Arbeitszeugnis attestierten vollen Zufriedenheit seines Arbeitgebers nicht leben kann und eine bessere Note (gut) haben will, muss die bessere Schlussbeurteilung beweisen. Der Arbeitnehmer hat also die Tatsachen für den Zusatz des Wörtchens stets (zur vollen Zufriedenheit) konkret zu belegen, welches eine bessere Note ausmacht.

Eine 25-jährige Zahnarzthelferin hatte ein Jahr lang am Empfang einer Zahnarztpraxis gearbeitet und sich um die Praxisorganisation gekümmert. Nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses erhielt sie ein Arbeitszeugnis, in dem ihre Leistungen mit der Formulierung zu unserer vollen Zufriedenheit bewertet wurden. Dies spiegelt eine durchschnittliche Leistung wider und entspricht der Schulnote drei.

Die Helferin war der Auffassung, sie sei zu schlecht benotet worden. Ihre Leistungen hätten mit einer zwei beurteilt werden müssen, also mit der Formulierung stets zu unserer vollen Zufriedenheit. Eine durchschnittliche Beurteilung im Zeugnis mindere ihre weiteren Chancen am Arbeitsmarkt.

Der ehemalige Arbeitgeber begründete hingegen die drei mit zahlreichen Fehlleistungen. So stritt man sich am Ende darüber, wen die Beweislast für die im Arbeitszeugnis bewertete Leistung trifft.

Das Bundesarbeitsgericht hatte stellte hierzu klar: Der Arbeitnehmer muss für eine bessere Schlussbewertung im Arbeitszeugnis die entsprechend bessere Leistung vortragen und beweisen.

Dabei gilt nach § 243 Abs. 1 BGB, dass bei jeder Art von Schuldverhältnissen eine Leistung mittlerer Art und Güte erbracht werden muss. Dies entspricht – in Schulnoten ausgedrückt – bei einer drei. Erbringt also ein Mitarbeiter durchschnittliche Arbeit, ist im Zeugnis die Formulierung zu unserer vollen Zufriedenheit gerechtfertigt.

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass ein Arbeitszeugnis wohlwollend und wahr zugleich ausfallen muss. Ob jemand ein besseres Arbeitszeugnis verdient hat, entscheiden allein die bewiesenen Tatsachen im Einzelfall.

Konkret: Wer als Arbeitnehmer also eine gute Bewertung (d.h. stets zu unserer vollen Zufriedenheit) oder gar eine sehr gute (d.h. stets zu unserer vollsten Zufriedenheit) erhalten möchte, weil ihm die durchschnittliche Beurteilung zu schlecht erscheint, muss konkret nachweisen, warum der Arbeitgeber eine (noch) bessere Beurteilung ausstellen soll.

Der Arbeitgeber hingegen trägt die Beweislast für eine unterdurchschnittliche Bewertung (z.B. muss er Tatsachen darlegen, weshalb die geleistete Arbeit lediglich ausreichend oder gar mangelhaft ist).

Kann in einem Prozess keine Seite eine Abweichung vom Durchschnitt beweisen, entscheidet das Gericht regelmäßig auf Erteilung eines durchschnittlichen Arbeitszeugnisses (BAG, Urteil vom 18.11.2014, 9 AZR 548/13 ).

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