Unachtsames Öffnen der Autotür am Straßenrand

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Wer beim Aussteigen nicht aufpasst, ist selbst schuld, wenn es dadurch zu einem Unfall kommt. Den Vorbeifahrenden trifft in aller Regel keine (Mit-)Schuld.

Ein Autofahrer parkte seinen Wagen ordnungsgemäß am Fahrbahnrand. Nachdem der Beifahrer bereits ausgestiegen war, öffnete auch der Fahrer seine Tür und wollte das Fahrzeug verlassen. Da er dabei nicht auf den Verkehr achtete, kam es zu einer Kollision mit einem vorbeifahrenden Fahrzeug. Der Autofahrer wollte den entstandenen Schaden nicht allein tragen. Zum einen sei da noch die Betriebsgefahr des (fahrenden) Wagens. Außerdem hätte der Vorbeifahrende den bereits ausgestiegenen Beifahrer bemerken und davon ausgehen müssen, dass auch der Fahrer noch aussteigen würde. Denn zum Zeitpunkt des Unfalls seien viele Wagen auf Parkplatzsuche unterwegs gewesen.

Das Landgericht Stuttgart sah dies jedoch anders. Beim Öffnen einer Autotür eines geparkten Fahrzeugs muss der Aussteigende auf den fließenden Verkehr Rücksicht nehmen. Tut er dies nicht, dann begründet das ein erhebliches Verschulden. Auch wenn der Beifahrer bereits ausgestiegen ist, muss der Vorbeifahrende nicht damit rechnen, dass sich eine weitere Autotür öffnet.

Der fließende Verkehr ist nämlich nur dann gewährleistet, wenn sich die Vorbeifahrenden darauf verlassen können, dass nicht plötzlich eine Fahrzeugtür geöffnet wird. Die Betriebsgefahr eines vorbeifahrenden Fahrzeugs kommt daher nicht zum Tragen. Den Vorbeifahrenden trifft damit kein Mitverschulden.

Auf das Argument, dass zum Unfallzeitpunkt erheblicher Verkehr durch Parkplatzsuchende herrschte, kann sich der Autofahrer nicht berufen. In solch unübersichtlichen Situationen muss ein Aussteigender erst recht sicher gehen, dass die Autotür ohne Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer geöffnet werden kann (OLG Stuttgart, Urteil vom 22.4.2015, 13 S 172/14 ).

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