Schmerzensgeld bei Trauer?

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Psychische Beeinträchtigungen wegen des Unfalltodes eines nahen Angehörigen können unter Umständen dazu führen, dass den Betroffenen durch den Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers ein Schmerzensgeld gezahlt werden muss. Das geht aus einer aktuellen Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe hervor.

Dem Urteil lag eine Klage des Ehemanns sowie der Tochter einer Frau zugrunde, die bei einem durch einen Dritten verschuldeten Verkehrsunfall tödliche Verletzungen erlitten hatte.

Lebensrisiko?

Der Mann behauptete, durch den Unfalltod seiner Ehefrau einen Schockzustand im Sinne einer akuten Belastungsreaktion sowie eine mittelgradige Depression erlitten zu haben, die ihn über längere Zeit arbeitsunfähig machte.

Er forderte daher vom Kfz-Versicherer des Unfallverursachers unter anderem die Zahlung eines angemessenen Schmerzensgeldes.

Das lehnte der Versicherer jedoch ab. Nach seiner Meinung gehört nämlich eine Trauerreaktion einer Person, die vom Unfalltod eines nahen Angehörigen erfährt, zum Lebensrisiko, welches keinen Anspruch auf Zahlung eines Schmerzensgeldes auslöst.

Umstände des Einzelfalls

Das sahen die Richter des Karlsruher Oberlandesgerichts jedoch differenzierter. Sie sprachen dem Kläger die Zahlung eines Schmerzensgeldes zu. Nach Ansicht der Richter kommt es bei der Beurteilung der Frage, ob einem trauernden Angehörigen ein Schmerzensgeld zusteht, auf die Umstände des Einzelfalls an.

Demnach ist ein Ersatzanspruch nur dann zu bejahen, wenn es zu „gewichtigen psychopathologischen Ausfällen von einiger Dauer kommt, die auch die sonst nicht leichten Nachteile eines schmerzlich empfundenen Trauerfalls für das gesundheitliche Allgemeinbefinden erheblich übersteigen und die deshalb auch nach der allgemeinen Verkehrsauffassung als Verletzung des Körpers oder der Gesundheit betrachtet werden“.

Mit anderen Worten: Die psychische Beeinträchtigung muss nach ihrer Art und Schwere deutlich über das hinausgehen, was nahe Angehörige in derartigen Fällen erfahrungsgemäß an Beeinträchtigungen zu erleiden haben.

Eine Frage des Beweises

Davon ging das Gericht im Fall des Klägers jedoch aus. Denn sowohl sein behandelnder Arzt als auch ein vom Gericht beauftragter Sachverständiger hatten ihm attestiert, dass er in einem Maß unter dem Tod seiner Ehefrau litt, das über eine „normale“ Trauerreaktion weit hinausging. Die Richter sprachen ihm daher ein Schmerzensgeld in Höhe von 3.000 € zu.

Die Tochter der Verstorbenen ging jedoch leer aus. Diese hatte nämlich lediglich vorgetragen, unter einer erheblichen Trauerreaktion gelitten zu haben, ohne dass sie deswegen zu einem Arzt gegangen wäre.

Einen Nachweis über die Art und den Umfang ihrer Beeinträchtigung konnte sie daher nicht erbringen, sodass ihre Schmerzensgeldklage als unbegründet zurückgewiesen wurde.

Eigene Hinterbliebenen-Absicherung ist wichtig

Der Todesfall eines Partners und/oder Elternteils kann neben dem persönlichen Verlust und der Trauer oftmals auch direkte finanzielle Auswirkungen haben, wenn beispielsweise das Einkommen des Verstorbenen wegfällt oder zusätzliche Betreuung für die Kinder notwendig ist. Eine private Hinterbliebenen-Absicherung hilft, zumindest die finanziellen Sorgen zu mildern. Denn nicht immer kommt ein Dritter für den finanziellen Schaden auf, beispielsweise wenn die Todesursache ein selbst verschuldeter Unfall oder eine Krankheit war.

Eine der günstigsten Hinterbliebenen-Absicherungen ist die Risikolebens-Versicherung. Sie zahlt an die Hinterbliebenen beziehungsweise an die im Vertrag festgelegte Person im Todesfall die vereinbarte Versicherungssumme.

Paare, aber auch Geschäftspartner wie zwei Inhaber einer Firma, können auch eine Risikolebens-Versicherung auf Gegenseitigkeit abschließen. Hierbei werden beide Partner als versicherte Person eingetragen. Stirbt ein Partner, erhält der andere die vereinbarte Leistung und kann dieses Geld für den Lebensunterhalt oder beispielsweise bei Firmenpartnern auch für die Auszahlung von Angehörigen verwenden.

Expertenrat hilft

Eine Kapitallebens-Versicherung bietet neben dem Todesfallschutz noch die Möglichkeit, sich ein Finanzpolster zuzulegen. Zudem bieten die Versicherer auch diverse andere Möglichkeiten, Geld für unvorhergesehene Ereignisse oder für bestimmte Ziele anzusparen.

Für die finanzielle Absicherung im Alter gibt es außerdem diverse Anlagemöglichkeiten, die auch der Staat mit Steuervergünstigungen und/oder direkten Geldzuschüssen unterstützt.

Bei der Suche nach der richtigen Vorsorge hilft ein Beratungsgespräch mit einem Versicherungsfachmann. Auch wer momentan keinen finanziellen Spielraum dafür sieht, sollte sich die Hilfe holen. Manche Möglichkeiten erschließen sich erst nach einer gründlichen Analyse und durch das Wissen eines Experten OLG Karlsruhe, Urteil vom 18.10.2011, Az. 1 U 28/11).

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