Mitverschuldensgefahr steigt bei Unfallbeteiligung eines Kindes

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Bei der Unfallbeteiligung eines Kindes müssen altersgerechte Maßstäbe zur Ermittlung des Mitverschuldens angelegt werden. Die so genannte Betriebsgefahr eines beteiligten Autofahrers bleibt grundsätzlich bestehen.

Ein 10-jähriges Mädchen befand sich auf dem Rückweg von einer Theatervorstellung. Sie wollte gemeinsam mit ihrer Freundin eine Straße überqueren. Die Mädchen liefen zwischen den an einer Ampel wartenden Autos hindurch. Auf der Gegenfahrbahn wurde das Mädchen von einem Auto mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 40 km/h erfasst. Es erlitt schwere Verletzungen.

Der technische Sachverständige stellte fest, dass der Autofahrer das Mädchen erst kurz vor dem Zusammenstoß hatte sehen können.

Die erste Instanz urteilte, dass das Kind den Unfall allein verschuldet hat. Hiergegen wandte sich der Unfallversicherer.

Die Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe gaben dem Unfallversicherer teilweise Recht. Der Kraftfahrzeugfahrer haftet zu 1/3.

Bei der Bestimmung der Haftungsquote ist das Verschulden von Schädiger und Geschädigtem abzuwägen. Das Mädchen hat bei Überqueren der Straße fahrlässig gehandelt. Zu berücksichtigen sind wegen des Alters jedoch die kindlichen Eigenheiten wie Impulsivität, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und gruppendynamisches Verhalten. Die Gefahren im Straßenverkehr kann ein 10-jähriges Kind daher noch nicht voll abschätzen.

Der Autofahrer haftet grundsätzlich wegen der Gefahren im Straßenverkehr zu 50 % (Gefährdungshaftung). Diese Betriebsgefahr tritt nur bei vollständig vorwerfbarem Verhalten des Unfallverursachers zurück.

Unter Abwägung dieser Umstände hielten die Richter eine Haftungsquote von 1/3 für den Fahrer des PkWs für angemessen (OLG Karlsruhe, Urteil vom 20.6.2012, 13 U 42/12).

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