Massenkarambolage: "Halbe-Halbe" bei ungeklärtem Auffahrunfall

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Nicht in jedem Fall gilt: Wer auffährt, ist schuld. Kann die Schuldfrage bei einem Ketten-Auffahrunfall nicht mehr sicher geklärt werden, wird der Schaden gegebenenfalls hälftig geteilt.

An dem Auffahrunfall waren vier Pkw beteiligt. Der genaue Unfallhergang konnte vor Gericht nicht mehr rekonstruiert werden. Der Halter des vorletzten Wagens verlangte von der Frau, die in sein Heck gefahren war, Schadensersatz in Höhe von 5.300,00 €. Sie habe nicht genügend Sicherheitsabstand eingehalten und sei daher aufgefahren.

Das Oberlandesgericht Hamm sprach dem Mann nur die Hälfte der Summe zu. Denn das Gericht konnte nicht mehr klären, ob der vorletzte Wagen selbst rechtzeitig zum Stehen gekommen sei und erst von dem letzten Pkw in seinen Vordermann geschoben worden sei. Oder ob der vorletzte Wagen nicht auch erst - urplötzlich - zum Stehen gekommen sei, nachdem er auf den Vordermann aufgefahren sei. Im letzteren Falle hätte sich für den letzten Wagen der Bremsweg erheblich verkürzt.

Da der Sachverhalt nicht mehr aufzuklären war, konnte das Gericht hier auch nicht von einem Beweis des ersten Anscheins ausgehen. Bei einem Auffahrunfall spricht zwar in der Regel allein die Tatsache, dass der Hintermann nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte zunächst für einen zu geringen Sicherheitsabstand des hinteren Wagens. Bei einem Ketten-Auffahrunfall liegen die Dinge jedoch anders. Das gilt umso mehr, wenn nicht mehr geklärt werden kann, ob das vorausfahrende Fahrzeug auch erst durch das Auffahren auf seinen Vordermann zum Stehen kam. Dann richtet sich die Haftungsquote nach der für beide gleichen Betriebsgefahr ihres Pkw (OLG Hamm, Urteil vom 6.2.2014, 6 U 101/13 ).

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