Grundlos gebremst - wer haftet?

 - 

Bei einem Auffahrunfall haftet grundsätzlich derjenige, der auffährt. Bremst der Fahrer vor Ihnen jedoch ohne jeden Grund, haftet er für den entstandenen Schaden zu 30 Prozent.

Ein Mann fuhr in der Innenstadt mit 50 km/h, als der Wagen vor ihm unvermittelt stark abbremste. Der Mann konnte nicht mehr bremsen, also kam es zu einem Auffahrunfall. Die Fahrerin des vorausfahrenden Pkw hatte aufgrund einer Baustelle kurz die Orientierung verloren und dachte, sie habe sich verfahren. Daher bremste sie ohne ersichtlichen Grund abrupt ab.

Es entstand ein Gesamtschaden von fast 4.000 € an beiden Fahrzeugen. Die Versicherung der Frau, die so plötzlich abgebremst hatte, übernahm mit knapp 1.300 € ungefähr 30 Prozent des Gesamtschadens. Das war der Eigentümerin des auffahrenden Fahrzeugs nicht genug, sie (bzw. ihre Versicherung) verlangte, dass die grundlos bremsende Frau für den ganzen Schaden aufkommen solle, da sie den Unfall allein verursacht hätte.

Das Amtsgericht München sah dies anders. Es bleibt dabei, dass derjenige, der auffährt, entweder nicht den nötigen Sicherheitsabstand eingehalten hat, zu schnell gefahren ist oder falsch reagiert hat. Es ist also auch in solchen Fällen davon auszugehen, dass das Fehlverhalten zunächst bei dem Hintermann liegt.

Allerdings war hier zu berücksichtigen, dass die Fahrerin des vorderen Wagens zum Zeitpunkt des Unfalls die Verkehrssituation nicht überblickte, als sie unvermittelt auf die Bremse trat. So trägt auch sie einen Teil der Schuld an dem Unfall. Das Amtsgericht sah hier eine Mithaftung in Höhe von rund 30 Prozent (AG München, Urteil vom 19.2.2015, 345 C 22960/13 ).

Weitere News zum Thema

  • Wieviel darf ein Mietwagen kosten?

    [] Als Schätzungsgrundlage für die nach einem Verkehrsunfall zu erstattenden Mietwagenkosten eignet sich das Modell Fracke . Hiernach ist auf das arithmetische Mittel der Werte nach der Schwacke-Liste und dem Fraunhofer Marktpreisspiegel abzustellen. mehr

  • Dashcam als Beweismittel doch zulässig?

    [] Private Aufzeichnungen von Minikameras auf dem Armaturenbrett/an der Frontscheibe können vor Gericht zulässig sein. Allerdings ist die Zulässigkeit von Dashcams als Beweismittel unter den Gerichten umstritten. mehr

  • Unfallschaden: 130-Prozent-Ersatz nur bei fachgerechter Reparatur laut Gutachten

    [] Wer einen Verkehrsunfall durch fremdes Verschulden erleidet, hat häufig ein Problem: Sein Auto ist ihm mehr wert, als der Markt hergibt und die gegnerische Versicherung zahlen will. Deshalb dürfen die Reparaturkosten bis zu 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert des beschädigten Fahrzeugs liegen – immer vorausgesetzt, die Reparatur wird gemäß dem zugrunde liegenden Sachverständigengutachten voll ausgeführt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.