Überschreiten der Autobahnrichtgeschwindigkeit - Mithaftung, wenn es knallt

 - 

Wer die Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn überschreitet, muss damit rechnen, auch ohne weiteres Verschulden auf einem Teil des Schadens bei einem Unfall sitzen zu bleiben.

Ein Pkw-Fahrer fuhr bei Dunkelheit mit 170 km/h, also deutlich über der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h, auf der Autobahn. Vor ihm wechselte ein Auto von der Beschleunigungsspur aus direkt auf die Überholspur. Es kam, wie es kommen musste: Der  Raser fuhr von hinten auf den Einfädler auf. Die Versicherung des flotten Spurwechslers wollte aber nur 80 % des Schadens ersetzen. Dagegen klagte der Halter des aufgefahrenen Pkw.

Die Klage blieb erfolglos. Das Oberlandesgericht Stuttgart gab der Versicherung recht, obwohl dem Raser kein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung vorgeworfen werden konnte. Begründung: 20% Mithaftung aus Betriebsgefahr.

Denn von jedem Pkw geht wegen seiner Schnelligkeit und dem stets gegenwärtigen Risiko, einen Unfall zu verursachen, eine allgemeine Gefährlichkeit aus. Wer die Richtgeschwindigkeit überschreitet, erhöht diese noch einmal, da Gefahrensituationen schwerer beherrscht werden können und weniger Zeit zum Reagieren bleibt.

Bei Dunkelheit wird die Betriebsgefahr nochmals gesteigert. Schließlich können nachts andere Verkehrsteilnehmer nur schlecht einschätzen, mit welcher Geschwindigkeit sich ein anderes Fahrzeug von hinten nähert.

Wäre er nicht so schnell unterwegs gewesen, hätte der Unfallgeschädigte vielleicht noch rechtzeitig abbremsen können. Deshalb hielt es das Gericht für angemessen, ihn mit 20 % am Schaden zu beteiligen (OLG Stuttgart, Urteil vom 11.11.2009, Az. 3 U 122/09, NZV 2010 S. 346).

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.