Sachverständigengutachten nach Unfall: Versicherung muss zahlen

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Ob ein Unfallgeschädigter  Anspruch auf Erstattung der gesamten Sachverständigenkosten hat, hängt nicht  davon ab, ob das vom Sachverständigenhonorar objektiv ortsüblich und angemessen ist, sondern ob dem Geschädigten vorgeworfen werden kann, er hätte sich einen billigeren Sachverständigen suchen müssen.

Im Juni 2010 musste der Fahrer eines Skoda Fabia Combi  verkehrsbedingt bremsen. Das hinter ihm fahrende Auto fuhr daraufhin auf seinen PKW auf. Der Fahrer  wandte sich an seine Reparaturwerkstatt. Diese empfahlen ihm zwei Sachverständige. Einer der Sachverständigen ermittelte dann die Reparaturkosten und die Wertminderung für das Auto und verlangte für seine Dienste ein Honorar von 653,94 Euro.

Die Versicherung des Unfallverursachers war auch bereit, die Wertminderung und die Reparaturkosten in Höhe von 2.150 Euro zu bezahlen. Allein bei den Sachverständigenkosten stellte sie sich quer. Diese seien zu hoch. Sie erstattete nur 189,50 Euro.

Der Fahrer des Skoda erhob darauf hin Klage vor dem Amtsgericht München und bekam Recht. Das Gericht sprach ihm die restlichen 464,44 Euro zu.

Ein Geschädigter kann bei der Schadensregulierung die Kosten verlangen, die ein verständiger, wirtschaftlich vernünftig denkender Mensch in seiner Lage für zweckmäßig und notwendig halten darf. Das bedeutet, dass ihm nicht nur zusteht, was objektiv erforderlich ist, sondern auch das, was er in der konkreten Situation subjektiv für erforderlich halten durfte.

Demzufolge kommt es auch hier nicht darauf an, ob das von dem Sachverständigen in Rechnung gestellte Honorar objektiv ortsüblich und angemessen ist, sondern ob dem Mann der Vorwurf gemacht werden kann, er habe bei der Auswahl des Sachverständigen gegen seine Schadensminderungspflicht verstoßen.

Im vorliegenden Fall hatte sich der Geschädigte an seine Reparaturwerkstatt gewandt, die ihm zwei Sachverständige empfohlen habe. Für einen der beiden hatte er sich entschieden. Damit hatte er sich so verhalten wie es die meisten Unfallgeschädigten machen.

Darüber hinaus gibt es kein „übliches“ Sachverständigenhonorar. Ein Großteil der Sachverständigen bestimmt das Honorar nach der Schadenshöhe, ein Teil verlangt ein Zeithonorar. Da es sich bei einem Sachverständigenhonorar um einen Werkvertrag handelt, muss ein bestimmtes Honorar auch nicht von Anfang an vereinbart werden.

Vereinbart ist im Zweifel immer die übliche Vergütung. Lediglich für den Fall, dass der in Rechnung gestellte Betrag für jeden Laien klar ersichtlich völlig unverhältnismäßig zum Schaden steht, hat der Geschädigte die Pflicht, diesen überhöhten Betrag zu monieren ( AG München, Urteil vom 29.3.2011, Az. 343 C 20721/10).

 

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