Gebrauchtwagenkauf: Verkäufer muss über unbekannten Zwischenhändler aufklären

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Wer einen Gebrauchtwagen kauft, will wissen, wer der Vorbesitzer war. Deshalb muss der Verkäufer darüber aufklären, wenn dies nicht aus dem Kfz-Brief hervorgeht. Andernfalls macht er sich schadensersatzpflichtig.

Ein Autokäufer hatte im März 2004 einen erstmals im Jahr 1994 zugelassenen Audi A6 zum Preis von € 2.500,- erworben. Das Geschäft wurde von einem Gebrauchtwagenhändler als Vermittler für einen privaten Verkäufer abgewickelt.

Im Kaufvertrag hieß es unter anderem "Gesamtfahrleistung nach Angaben des Vorbesitzers: 201.000 Kilometer". Diese handschriftliche Eintragung entsprach dem Tachostand bei Vertragsschluss. Als Vorbesitzer waren im Kfz-Brief der ursprüngliche Halter und der seit Februar 2004 eingetragene Verkäufer ersichtlich.

Letzterer hatte das Fahrzeug über den Gebrauchtwagenhändler von einem Zwischenhändler erworben. Dieser ist nur als "Ali" bekannt und hatte seinerseits das Fahrzeug von einem weiteren, ebenfalls nicht eingetragenen Halter erworben. Über diese Umstände wurde der Käufer jedoch nicht informiert.

Der Autokäufer fand keine rechte Freude an dem Fahrzeug und verkaufte es schließlich nach 21.000 selbst gefahrenen Kilometern zum Preis von € 1500,-  weiter.

Den Händler und den Verkäufer verklagte er auf Schadensersatz in Höhe von € 7.000,- (Rückzahlung des Kaufpreises sowie Erstattung der zwischenzeitlich angefallenen Reparaturkosten abzgl. Verkaufserlös und Entgelt für gezogene Nutzungen) nebst Zinsen. Begründung: Wäre er über den nicht näher bekannten Zwischenhändler aufgeklärt worden, hätte er der auf dem Tacho angezeigten Laufleistung nicht getraut und das Fahrzeug gar nicht erst gekauft. Die tatsächliche Laufleistung betrug zum Zeitpunkt des Kaufvertrages 340.000 Kilometer.

Die Klage war erfolgreich. Der Bundesgerichtshof bestätigte dem getäuschten Käufer, die Beklagten hätten ihre vorvertragliche Aufklärungspflicht verletzt. In Fällen wie diesen liegt der Verdacht nahe, dass es während der Besitzzeit des unbekannten Voreigentümers zur Manipulation am Kilometerzähler oder einer sonstigen unsachgemäßen Behandlung des Fahrzeugs gekommen ist (BGH, Urteil vom 16.12.2009, VIII ZR 38/09).

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