Ersatz von Reparaturaufwand bis zu 30 % über dem Wiederbeschaffungswert nicht bei Eigenreparatur

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Der Ersatz des Reparaturaufwands von bis zu 30 % über dem Wiederbeschaffungswert eines Fahrzeugs kann nur verlangt werden, wenn die Reparatur fachgerecht und in einem Umfang durchgeführt wird, wie ihn der Sachverständige zur Grundlage seiner Kostenschätzung gemacht hat.

Hier macht der Kläger gegen den beklagten Haftpflichtversicherer restlichen Schadensersatz aus einem Verkehrsunfall geltend. Die volle Einstandspflicht der Beklagten steht fest. Die Parteien streiten darum, wie der Fahrzeugschaden abzurechnen ist. Die vom Sachverständigen ermittelten Bruttoreparaturkosten von 3.254,02 EU übersteigen den Wiederbeschaffungswert um 51 %. Der Kläger hat sein Fahrzeug selbst repariert. Er hat die Zahlung von 130 % des Wiederbeschaffungswerts, bzw. der ausgewiesenen Nettoreparaturkosten verlangt, zumindest Erstattung der unterhalb der 130 %-Grenze liegenden konkreten Reparaturkosten.

Der BGH entschied: Die Erstattung von Reparaturkosten bis zu 30 % über dem Wiederbeschaffungswert ist dann nicht gerechtfertigt, wenn der Geschädigte sein Kraftfahrzeug nicht vollständig und fachgerecht nach den Vorgaben des Sachverständigen in Stand setzt. So war es im Streitfall und schon das Berufungsgericht war davon ausgegangen, dass die vom Kläger durchgeführte Reparatur von den Vorgaben des Gutachtens abweicht (BGH, Urteil vom 15.11.2011, Az. : VI ZR 30/11).

Für den Praktiker: Der hintere Querträger wurde nicht ausgetauscht, sondern instand gesetzt, hinter der Stoßfängerverkleidung verblieb eine Delle und die Heckstoßfängerverkleidung wurde nicht richtig eingepasst. Bei dieser Sachlage kann ein Anspruch auf Ersatz der über dem Wiederbeschaffungswert liegenden Reparaturkosten nicht begründet werden.

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