Versicherer muss fiktive Kosten einer Markenwerkstatt übernehmen

 - 

Lassen Sie Ihr Fahrzeug nach einem Unfall nicht reparieren, können Sie stattdessen von Ihrer Vollkasko Geld verlangen. Unter bestimmten Voraussetzungen stehen Ihnen sogar die Reparaturkosten einer Markenwerkstatt zu. Sie müssen sich dann nicht mit den - oftmals deutlich günstigeren - Tarifen einer freien Werkstatt begnügen.

Nach einem Unfall entschied sich der Halter eines Mercedes gegen die Reparatur und verlangte von seiner Vollkaskoversicherung Geld. Er legte seiner Versicherung ein Gutachten vor, das auf Grundlage der Stundensätze einer Mercedes-Fachwerkstatt Reparaturkosten in einer Höhe von rund 9.500,00 € auswies. Die Versicherung wollte das nicht zahlen und gab selbst ein Gutachten in Auftrag. Hierin waren nur die Lohnkosten einer ortsansässigen freien Fachwerkstatt angesetzt, was zu deutlich niedrigeren Reparaturkosten führte - rund 3.000,00 € weniger.

Der Bundesgerichtshof entschied, Halter dürfen nach einem Unfall Ersatz der Reparaturkosten einer Markenwerkstatt verlangen, auch wenn diese teurer sind als bei einer freien Werkstatt. Allerdings gelten die Stundensätze einer Markenwerkstatt nicht pauschal. Sie müssen folgende Einschränkungen beachten:

  • Nur eine Markenwerkstatt kann Ihr Fahrzeug vollständig und fachgerecht reparieren oder

  • Sie besitzen ein neueres Auto (in der Regel bis zu drei Jahre alt) oder

  • Ihr Fahrzeug ist checkheftgepflegt, d.h. es wurde auch bisher nur in Markenwerkstätten gewartet und repariert.

Ist eine dieser Voraussetzungen erfüllt und können Sie das auch beweisen, muss Ihre Versicherung in voller Höhe zahlen. Was Sie dann mit dem Geld machen, ist allein Ihre Sache. So können Sie Ihren Wagen selbst reparieren, woanders günstiger oder gar nicht reparieren lassen (BGH, Urteil vom 11.11.2015, IV ZR 426/14 ).

Weitere News zum Thema

  • Werkstattbindung auch bei Terminschwierigkeiten

    [] Sie haben mit der Kfz-Versicherung eine Werkstattklause vereinbart. Halten Sie sich im Schadensfall nicht daran, müssen Sie einen Abschlag hinnehmen, auch wenn die Vertragswerkstatt Wartezeiten von einem Monat hat. mehr

  • Auffahrunfall in Waschanlage - wer zahlt?

    [] Immer wieder kommt es in Waschstraßen zu Schäden am Auto. Meist wird dann darüber gestritten, wer für den entstandenen Schaden aufkommt. Kommt es in einer Waschstraße zu einem Auffahrunfall, so haftet der Betreiber für den entstandenen Schaden. Der Betreiber kann sich in einem solchen Fall nicht darauf berufen, dass Sicherheitsvorrichtungen zur Verhinderung solcher Unfälle zu teuer sind. mehr

  • Schutzhüllen für Scheibenwischer sind Pflicht

    [] Zur Verkehrssicherungspflicht von Waschanlagenbetreibern gehört es, die Scheibenwischer der Kundenfahrzeuge vor dem Waschgang mit Schutzhüllen zu versehen. Wird keine entsprechende Schutzhülle zur Verfügung gestellt, hat der Fahrzeughalter grundsätzlich einen Anspruch auf Schadensersatz, wenn es dadurch zu Schäden an den Scheibenwischern und am Fahrzeug kommt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.