Verschmutztes Meerwasser als Reisemangel bei einem Badeurlaub

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Verunreinigt eine defekte Kläranlage das Meer mit Fäkalien, stellt dies für einen Badeurlaub einen Reisemangel dar. Erkrankt der Reisende deshalb an schwerem Brechdurchfall, kann er den Reisepreis mindern, Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit verlangen und Schmerzensgeld geltend machen.

Eine Familie mit zwei minderjährigen Kindern hatte einen 2-wöchigen Strand- und Badeurlaub in der Türkei in einem 5-Sterne-Hotel mit eigenem Hotelstrand zu einem Preis von 6.143,00 € gebucht.

Am ersten Urlaubstag erkrankten sämtliche Familienmitglieder an einem schweren Brechdurchfall. Sie mussten in eine Klinik eingeliefert werden, wo eine akute Gastroenteritis festgestellt wurde. Die Erkrankung war auf einen Defekt der örtlichen Kläranlage in nur 200 mEntfernung zum Hotelstrand zurückzuführen. Dadurch waren Fäkalien in das Meerwasser gelangt.

Die gesamte Familie litt für die nächsten neun Tage an Magen-Darm-Beschwerden. Nach ihrer Rückkehr machten die Reisenden eine Reisepreisminderung, Schadensersatz wegen vertanem Urlaub und Schmerzensgeld geltend.

Das Landgericht Köln folgte ihnen in allen Punkten. Die durch das verunreinigte Meer verursachte Krankheit stellt einen erheblichen Reisemangel dar. Der Zweck eines Badeurlaubs wurde dadurch komplett vereitelt. Die Familie konnte den Hotelaufenthalt krankheitsbedingt nicht einmal zum Essen nutzen.

Dass die Funktionsfähigkeit der Kläranlage außerhalb des Einflussbereichs des Reiseveranstalters lag, spielt keine Rolle. Der Veranstalter hat gleichwohl seine Pflichten verletzt, weil er nicht verhindert hat, dass die Hotelgäste erkranken. Er hätte rechtzeitig über die hygienischen Zustände am Urlaubsort informieren und der Familie in einem anderen Hotel unterbringen können. Dies hat er unterlassen.

Die Reise war durch die Erkrankung erheblich beeinträchtigt, der Erholungszweck des Badens vereitelt. Die Familie kann deshalb Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit beanspruchen. Jedem Familienmitglied steht unter Berücksichtigung des Reisepreises ein Anspruch in Höhe von 987,00 € zu.

Außerdem kann jedes Familienmitglied Schmerzensgeld in Höhe von 500,00 € verlangen. Einen höheren Betrag muss der Reiseveranstalter angesichts der Kompensation durch den Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit nicht zahlen (LG Köln, Urteil vom 24.8.2015, 2 O 56/15 ).

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