Nur ausnahmsweise Schmerzensgeld für misslungenen Friseurbesuch

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Nicht jeder Friseurbesuch führt zu dem erhofften Ergebnis. Doch was gilt, wenn ein Haarschnitt misslingt? Mit Schmerzensgeld können enttäuschte Kunden nur in Ausnahmefällen rechnen, etwa bei dauerhaften Schäden am Haar oder der Kopfhaut oder wenn der Kunde durch die neue Frisur quasi entstellt wird.

Eine Friseurkundin ließ sich im Friseursalon die Haare färben und die Spitzen schneiden. Die Friseurin sollte dabei das Deckhaar ausdrücklich nur einen halben Zentimeter kürzen, da die Frau sehr feines Haar hatte. Die Kundin beobachtete den gesamten Schneidevorgang und erhob keine Einwände. Sie zeigte sie sich am Ende gar zufrieden mit der Haarfarbe und -länge

Zwei Tage später erschien sie jedoch wieder beim Friseur und beklagte, die Haare seien zu kurz geschnitten. Sie habe jetzt richtige Löcher, durch die man die Kopfhaut sehe. Sie verlangte Schmerzensgeld von der Friseurin. Diese hielt dagegen, die Haare seien ordnungsgemäß geschnitten, deshalb zahle sie nicht.

Das Amtsgericht München hatte den Streit zu entscheiden. Die Kundin erhält kein Schmerzensgeld. Das gibt es nach einem misslungenen Friseurbesuch nur, wenn infolge der Haarbehandlung dauerhafte Schäden am Haar oder der Kopfhaut vorliegen oder wenn der Kunde durch den Haarschnitt quasi entstellt ist.

Bloßes Nichtgefallen der Frisur reicht nicht. Das gilt selbst dann, wenn die Anweisung nur die Spitzen zu schneiden nicht eingehalten wird und die Haare zu kurz geschnitten werden.

Zwar war hier die Kopfhaut der Kundin deutlich sichtbar. Doch das ist die Folge des individuellen Haarzustand und liegt nicht am fachgerecht durchgeführten Haarschnitt. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Frau wurde nicht verletzt. Zudem hat sie den Haarschnitt beobachtet und dagegen nicht protestiert (AG München, Urteil vom 7.10.2011, 173 C 15875/11 ).

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