Nachzügler einer organisierten Gruppenradtour muss selbst aufpassen

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Die Organisatoren einer Gruppenradtour müssen nicht die für die Gruppe im Straßenverkehr ergriffenen Sicherungsmaßnahmen aufrechterhalten, wenn einzeln fahrende Teilnehmer hinterherfahren.

Ein Schützenverein veranstaltete eine Radtour. Ein 20-jähriges Vereinsmitglied nahm an dieser Veranstaltung teil. Die in der Gruppe fahrenden Teilnehmer wurden von Streckenposten begleitet. Diese sperrten größere Straßen ab, um der Gruppe ein gefahrloses Überqueren zu ermöglichen.

Nach einer Panne eines anderen Teilnehmers löste sich der junge Mann von der Radgruppe. Er setzte seine Fahrt später alleine fort. Als er von einem Waldweg kommend eine übergeordnete Straße überqueren wollte, missachtete er die Vorfahrtsregeln und stieß mit einem Pkw zusammen. Er erlitt bei dem Unfall schwere Kopfverletzungen und befindet sich seither in einem komatösen Zustand.

Vom Schützenverein als Veranstalter der Tour verlangte er - unter Berücksichtigung seines Mitverschuldens - Schadensersatz und Schmerzensgeld in Höhe von 200.000,00 €. Der Verein habe seine Verkehrssicherungspflichten verletzt, weil kein Sicherheitsposten mehr an der Kreuzung postiert war als es zum Unfall kam.

Das Oberlandesgericht Hamm stellte hingegen fest, der Verein beachtete bei der Organisation der Gruppenradtour die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen sowie die relevanten straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften. Der Verein war nicht verpflichtet, auch einem Nachzügler durch Streckenposten ein gefahrloses Überqueren der Straße zu ermöglichen.

Vielmehr musste der Teilnehmer, nachdem er sich aus dem Verband der Fahrradfahrer gelöst hatte, auf sich selbst aufpassen und die Verkehrsvorschriften beachten. Er durfte nicht mehr darauf vertrauen, dass Streckenposten für das gefahrlose Überqueren bevorrechtigter Straßen sorgen (OLG Hamm, Urteil vom 6.2.2014, 6 U 80/13 ).

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