Fußball-WM rechtlich betrachtet: Was gilt fürs Feiern und am Arbeitsplatz?

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Ob beim Public Viewing, bei der privaten Fußball-Party im Garten, ob nach dem Spiel beim Autokorso oder am Arbeitsplatz, die Fußball-WM hat auch eine rechtliche Seite. Denn Lärmschutz, Verkehrsregeln oder das Arbeitsrecht werden grundsätzlich nicht für Fußballbegeisterte außer Kraft gesetzt. Doch ein bisschen was geht immer. Was genau, können Sie hier nachlesen.

Was gilt fürs Public Viewing und für private WM-Feste?

Laue Sommernächte und eine Großleinwand, auf der man gemeinsam mit anderen Fußballbegeisterten die Spiele der WM in Brasilien verfolgen kann. So wünscht sich das der Fan. Doch Public Viewing ist kein rechtsfreier Raum.

Die Nachbarschaft von öffentlichen Großveranstaltungen braucht Geduld und Toleranz während der mehrwöchigen Dauer der Fußballweltmeisterschaft - zumal in diesem Jahr aufgrund der Zeitverschiebung die Spiele nach hiesiger Zeit oft erst spätabends stattfinden und die Nachtruhe unmittelbar tangieren. Diese beginnt eigentlich ab 22:00 Uhr. Doch während der WM kann der Lärmschutz auf Antrag eines Veranstalters gelockert werden. Die jeweils zuständige Behörde entscheidet unter Abwägung der Nachbarschaftsinteressen und dem Interesse der Allgemeinheit an öffentlichen Fernsehübertragungen im Freien, ob öffentlich Fußball geguckt werden darf.

Dafür bietet die sogenannte "Public-Viewing-Verordnung" die notwendige Rechtsgrundlage. Die "Verordnung über den Lärmschutz bei öffentlichen Fernsehdarbietungen im Freien" sieht für die Zeit vom Anpfiff der WM am 12. 6. bis zum Abpfiff des Endspiels am 13.7.2014 Ausnahmen von den geltenden Lärmschutzregelungen vor. Die Verordnung regelt die Lärmschutzanforderungen für öffentliche Fernsehdarbietungen im Freien (z.B. für Freilichtbühnen, Biergärten, Sport- oder Marktplätze).

So sind beispielsweise die Lautsprecher so auszurichten, dass die Nachbarn so wenig wie möglich beschallt werden, doch geräuschlos geht Public Viewing nicht vonstatten - selbst wenn laute Fan-Artikel wie Druckluftfanfaren oder Vuvuzelas verboten sind. Im Ergebnis müssen betroffene Nachbarn wohl mit einer Beeinträchtigung ihrer Nachtruhe rechnen.

Aber: Wer privat in größerer Runde im Garten oder auf dem Balkon die Übertragungen der Fußballspiele verfolgt, ist an das Nachtruhegebot uneingeschränkt gebunden. Private WM-Fernseh-Partys genießen keine Privilegierung - um 22:00 Uhr ist draußen Schluss: Fernsehgeräusche, Torjubel und Siegesgesänge sind danach im Freien zu unterlassen.

Die Nachtruhe, das heißt in der Regel von 22:00 Uhr bis 7:00 Uhr, müssen Sie einhalten und auch dafür sorgen, dass Ihre Gäste nicht lärmen. Also auch wenn die WM-Party drinnen weitergeht, sollte es leise weitergehen (z.B. regeln Sie die Übertragung des Spiels auf Zimmerlautstärke). Denn Lärm, der Nachbarn unzumutbar ist, ist verboten.

Was gilt für private WM-Grillfeste?

Ein totales Grillverbot sehen nur die wenigsten Mietverträge oder Hausordnungen vor - zulässig ist es allerdings. Dennoch gibt es auch ohne ausdrückliches Verbot zahlreiche Beschränkungen rund ums Grillen im nachbarlichen Verhältnis.

Hauseigentümer, Mieter und Wohnungseigentümer treffen hierbei unterschiedliche Pflichten - und die Gerichte beurteilen die zulässige Anzahl und die Dauer von Grillabenden höchst unterschiedlich. Damit Sie während der WM von Ihren Nachbarn möglichst nicht die Rote Karte gezeigt bekommen, beherzigen Sie folgenden Rechtstipp :

Stellen Sie Ihr WM-Grillfest unter das "Gebot der nachbarlichen Rücksichtnahme": Platzieren Sie Ihren Grill mit einem möglichst großen Abstand zur Wohnung oder zum Grundstück Ihres Nachbarn und achten Sie auf die Windrichtung. Grillen Sie nicht zu häufig und geben Sie Ihren Nachbarn vorher Bescheid - oder laden Sie sie am besten ein, mitzufeiern. Verzichten Sie auf einen Holzkohlegrill und legen Sie Ihr Grillgut stattdessen auf einen Elektro- oder Gasgrill.

Verkehrsregeln gelten auch beim Autokorso

Mit hupenden Autoschlangen feiern die Fans, wenn das eigene Team gewonnen hat. Autokorsos sind in der Regel geduldet, sollen aber nur bis maximal zwei Stunden nach dem Spiel andauern dürfen (z.B. in Baden-Württemberg). Die Polizei achtet darauf. Ebenso darauf, dass die Teilnehmer ordentlich in den Autos sitzen. Denn eines ist klar: Wer an einem Autokorso teilnimmt, muss die Verkehrsregeln beachten.

Verboten ist, seine Glückseligkeit über ein gewonnenes Spiel beim anschließenden Autokorso auf dem Autodach oder auf der Motorhaube zu feiern. Auch wer sich zu weit aus dem Seitenfenster lehnt oder im Cabrio steht, riskiert ein Bußgeld. Auch das Überfahren einer roten Ampel oder Alkohol am Steuer gelten nicht als Kavaliersdelikte, hier riskiert der Fahrer seinen Führerschein. Fahnen und Schals sind grundsätzlich erlaubt. Sie müssen am Auto jedoch so platziert werden, dass sie zu keiner Sichtbehinderung führen oder Passanten gefährden.

Auch die Anschnallpflicht sollten Korso-Teilnehmer besser beachten. Sie ist anders als in einem Stau zwar keine Gesetzespflicht. Doch kann ein Verstoß dagegen im Schadensfall teuer werden, etwa wenn es zu Abstrichen bei der Versicherungsleistung kommt, weil ein Mitverschulden angerechnet wird.

Welche Spielregeln gelten im Arbeitsrecht?

Wer Fußballfan und gleichzeitig Arbeitnehmer ist, sollte wissen, was er am Arbeitsplatz darf und was nicht. Denn arbeitsrechtliche Fouls können schwerwiegende Konsequenzen haben.

Sie haben keinen Anspruch darauf, die Partien am Arbeitsplatz verfolgen zu dürfen. Allerdings können Sie Ihren Chef im Einzelfall fragen. Stimmt er zu, können Sie beispielsweise Überstunden abbauen, morgens früher anfangen und vorarbeiten, um zum Anpfiff pünktlich daheim zu sein. Oder der Chef erlaubt sogar am Arbeitsplatz, gemeinsam mit den Kollegen der Nationalelf die Daumen zu drücken.

Wer bislang keinen Fernseher im Büro hatte, darf auch für die Dauer der Fußball-WM keinen anschließen. Wer über einen TV-Anschluss verfügt, sollte ohne Einverständnis seines Arbeitgebers die Fußballübertragung nicht einschalten.

Auch wer über Radio im Stadion dabei sein möchte, ist gut beraten, den Chef vorher zu fragen. Allerdings ist Radiohören im Betrieb häufig erlaubt - solange das Radioprogramm weder Kunden noch Kollegen stört, und Sie Ihre Arbeit zügig und fehlerfrei erledigen.

Beim Fußballgenuss über Internet (z.B. mittels WM-Ticker oder sogenanntes Streaming) oder über ein Smartphone sind Einschränkungen zulässig. Hat der Arbeitgeber die private Nutzung des Internets oder des Smartphones am Arbeitsplatz verboten, ist auch die WM online tabu. Fehlt eine ausdrückliche Regelung der privaten Internet- bzw. der Handynutzung, gilt im Zweifel ein Verbot. Bei Verstoß droht eine Abmahnung!

Alkohol am Arbeitsplatz ist in der Regel durch entsprechende Regelungen in Arbeits- oder Tarifverträgen eingeschränkt oder verboten. Daran sind Sie auch während der Fußball-WM gebunden. Das Bierchen mit den Kollegen sollten Sie deshalb besser nach Feierabend genießen. Aber auch das nur in Maßen. Denn kommt ein Mitarbeiter nach durchzechter Nacht mit einer Fahne ins Büro, darf der Chef ihn nach Hause schicken.

Auf keinen Fall sollten Sie krankfeiern oder eigenmächtig Urlaub nehmen, um ein Spiel zu sehen. Denn Sie riskieren dafür eine Abmahnung, und es droht Ihnen unter Umständen sogar eine Kündigung. Denken Sie stets daran: Nach der WM geht das Arbeitsleben weiter!

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