Verletzter Hund: Haftung unabhängig vom Wert des Tieres

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Bei der Frage der Höhe des Schadensersatzes kommt es nicht auf den finanziellen Wert eines Tieres an. Auch für einen acht Jahre alten Mischling aus dem Tierheim, der schuldhaft angefahren wird, sind hohe Tierarztkosten zu ersetzen. Dies gilt selbst dann, wenn sie den Anschaffungspreis um ein Vielfaches überschreiten.

Eine Hundehalterin hatte ihren acht Jahre alten Terrier-Mischling nachlässig an einem Mülleiner vor einem Tankstellenshop angebunden. Das Tier konnte sich losmachen und wurde auf der Fahrbahn zwischen Zapfsäulen und Kassenhäuschen von einem Autofahrer erfasst und verletzt.

Der Hund musste wegen Bänderschäden und Knochenbrüchen tierärztlich behandelt werden. Die Kosten beliefen sich auf 2.200,00 €. Diese wollte die Tierhalterin vom Autofahrer ersetzt bekommen.

Der wollte jedoch für die Kosten in dieser Höhe nicht aufkommen. Diese seien unverhältnismäßig. Schließlich sei der Hund alt und stamme aus dem Tierheim. Er habe lediglich 175,00 € gekostet.

Das Amtsgericht München sprach der Hundehalterin im Ergebnis 1.650,00 € zu. An Tankstellen ist – wie auch auf Parkplätzen – besondere Rücksichtnahme erforderlich. Diese hat der Autofahrer missachtet. Er hat den Hund zwar wahrgenommen, aber nicht rechtzeitig angehalten und somit das Tier schuldhaft verletzt.

Die Behandlungskosten von Tieren sind grundsätzlich unabhängig vom Alter und vom Wert des Hundes zu erstatten. Das gilt auch für den Fall, dass die Kosten den Wert des Tieres erheblich übersteigen. Je höher die Erfolgsaussicht der Behandlung, umso höhere Kosten sind zu übernehmen.

Da die Frau den Hund allerdings nicht ordnungsgemäß angeleint hatte, muss sie sich ein Mitverschulden in Höhe von 25 % anrechnen lassen (AG München, Urteil vom 6.12.2013, 344 C 1200/13 ).

Hinweis der Redaktion:

Tiere werden rechtlich nicht uneingeschränkt wie Sachen behandelt, deren Wert ausschließlich materieller Art ist. Das Gesetz berücksichtigt bei Tieren auch den ideellen Wert. Folglich sind Behandlungskosten bei einem Tier auch dann ersatzfähig, wenn sie den materiellen Wert des Tieres erheblich übersteigen (§ 251 Abs. 2 Satz 2 BGB).

Gleichwohl gibt es bei Tieren, anders als bei Menschen, eine Obergrenze. Nicht ersetzt werden müssen unverhältnismäßige Heilbehandlungskosten. Wann dies der Fall ist, ist gesetzlich nicht geregelt. Hier kommt es auf den Einzelfall an, insbesondere auf die Erfolgsaussichten der Behandlung. Der Wert eines Tieres und sein Alter spielen hingegen lediglich eine untergeordnete Rolle.

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