Keine Arzthaftung trotz unzureichender Aufklärung

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Auch wenn Sie nicht ausreichend über das Risiko einer Wundinfektion aufgeklärt wurden, können Sie nicht in jedem Fall Schmerzensgeld verlangen. Denn die Haftung des Krankenhauses bzw. Arztes entfällt, wenn Sie der Operation auch bei ausreichender Aufklärung zugestimmt hätten.

Ein Mann ließ sich in einem Krankenhaus wegen eines Nabelbruchs ambulant operieren. Einige Tage nach der Operation wurde eine Wundinfektion festgestellt. In der Folge musste die Wunde daher noch zwei Mal eröffnet werden, um eine Heilung zu ermöglichen. Der Patient beansprucht Schadensersatz, da bei der Operation die Hygienevorschriften nicht eingehalten worden seien. Außerdem sei die Wunde nicht ordnungsgemäß vernäht worden. Er sei weder über das Wundinfektionsrisiko noch über weitere Möglichkeiten der Behandlung aufgeklärt worden.

Das Oberlandesgericht Hamm lehnte einen Anspruch auf Schadensersatz ab. Nach dem Gutachten eines medizinischen Sachverständigen konnte kein Behandlungsfehler festgestellt werden. Die durchgeführte Operation war medizinisch angezeigt und wurde ordnungsgemäß durchgeführt. Eine Behandlungsalternative gab es nicht. Andere in Betracht kommende Verfahren sind mit höheren Risiken behaftet, weshalb der Patient hierüber nicht aufgeklärt werden musste.

Zwar haben Arzt und Krankenhaus nicht nachweisen können, dass der Patient über das Wundinfektionsrisiko ordnungsgemäß aufgeklärt worden sei. Daher ist davon auszugehen, dass keine ausreichende Aufklärung hierüber stattgefunden hat. Eine solche unzureichende Aufklärung führt aber nur dann zu einem Schadensersatzanspruch, wenn der Patient nachweisen kann, dass er sich bei hinreichender Aufklärung in einem tatsächlichen Entscheidungskonflikt befunden hätte.

Der Patient hatte hier aber gar keine Wahl. Nach den Erläuterungen des Sachverständigen war die vorgenommene Operation die einzige Möglichkeit, den Nabelbruch zu beheben. Bei weiterem Zuwarten hätten sich der Bruch und die hieraus resultierenden Schmerzen weiter vergrößert. Daher hätte sich der Patient auch in Kenntnis des Wundinfektionsrisikos zu dem doch eher kleinen ambulanten Eingriff entschlossen (OLG Hamm, Urteil vom 9.12.2014, 26 U 88/13 ).

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