Kein Schmerzensgeld nach Sturz von Bierbank

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Steigt eine Erwachsene auf eine Bierbank, um dort zu tanzen, ist sie selbst schuld, wenn die Bierbank umkippt und sie sich verletzt.

Eine 51-Jährige besuchte mit einem Bekannten das sogenannte Oktoberfest an der Hafenarena in Münster. Der Mann forderte die Frau zum Tanzen auf und beide machten sich auf den Weg in Richtung Tanzfläche. An der Tanzfläche standen bereits viele Besucher auf den Bierbänken, als auch der Mann eine leere Bierbank bestieg, um dort zu tanzen. Er forderte die Frau auf, es ihm gleich zu tun und half ihr auf die Bank. Kurze Zeit später wackelte die Bank und beide stürzten herab.

Die Frau verletzte sich dabei an der Schulter. Sie verlangt nun von ihrem Bekannten Schmerzensgeld in Höhe von 7.500 € und weiteren Schadensersatz. Denn ihre Verletzung sei bis heute nicht folgenlos ausgeheilt, ihre Schulter werde nie wieder ihre uneingeschränkte Beweglichkeit erlangen.

Das Landgericht Münster lehnte sämtliche Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche der Frau ab, das Oberlandesgericht Hamm sah dies genauso. Denn auch wenn der Mann sie aufgefordert hat, mit ihm auf der Bank zu tanzen, hat sie sich letztlich selbst dafür entschieden, auf die Bank zu klettern. Es ist aber für einen Erwachsenen ohne weiteres zu erkennen, dass eine Bierbank nicht zum Tanzen geeignet ist. Sie hat sich also sehenden Auges selbst in die Gefahrensituation begeben, die ihr kurz darauf zum Verhängnis wurde.

Es ist auch nicht generell verboten, jemanden zu einer gefährlichen Handlung aufzufordern. Genauso wenig besteht ein allgemeines Gebot, einen anderen vor jeder Selbstgefährdung zu bewahren.

Ihr Bekannter ist daher für ihr Handeln weder verantwortlich, noch hat er eine zusätzliche Gefahr geschaffen. Zu dem Unfall ist es allein deshalb gekommen, weil eine Bierbank an sich schon viel zu wacklig zum Heraufklettern und Tanzen ist (OLG Hamm, Beschluss vom 25.11.2015, 9 U 142/14 ).

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