Wird Fettabsaugen von der Krankenkasse bezahlt?

 - 

Ob Fettabsaugen bei Lipödemen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden muss, ist umstritten. Das Sozialgericht Mainz verneinte in einem Fall die Kostenübernahmepflicht der Krankenkasse, das Sozialgericht Chemnitz bejahte diese jedoch in einem anderen Fall.

Eine Frau litt seit ihrer Jugend an Lipödemen an den Beinen. Das ist eine schmerzhafte Häufung von Fettgewebe unter der Haut. Eine bereits zuvor durchgeführte Ernährungsumstellung in Kombination mit manuellen Lymphdrainagen und Sport hatte zu keiner Verbesserung ihrer Situation geführt. Die Klägerin ließ schließlich eine ambulante Liposuktion, d.h. ein operatives Absaugen des Fetts, durchführen. Die Krankenkassen verweigerte die Kostenübernahme für diese Operation. Daraufhin forderte die Frau die Kostenübernahme gerichtlich ein.

Das Sozialgericht Mainz entschied jedoch, dass die Kasse die Kostenübernahme zu Recht verweigert hat. Bei der Liposuktion handelt es sich um eine sogenannte neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode, die im ambulanten Bereich nur erbracht werden darf, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen eine positive Empfehlung abgeben hat. Eine solche Empfehlung besteht derzeit für eine Liposuktion aber nicht.

Anders entschied das Sozialgericht Chemnitz. Auch hier hatte eine Frau auf Kostenübernahme einer Liposuktion geklagt. Das Gericht verurteilte die Krankenkasse zur Zahlung. Die sogenannte neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode ist nicht mehr neu, argumentierte das Gericht. Diese wird im privaten Bereich seit 10 Jahren erfolgreich durchgeführt. Es gibt keine gleich geeignete Behandlungsmethode, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Deshalb hätte der Gemeinsame Bundesausschuss die Aufnahme der Liposuktion in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen prüfen müssen. Das ist jedoch nicht geschehen.

Es bleibt abzuwarten, welche Rechtsprechung sich durchsetzt. Betroffene sollten sich im Zweifel auf die Chemnitzer Entscheidung berufen. Obergerichtliche Klärung ist derzeit nicht zu erwarten. Eine Klage beim Bundessozialgericht ist noch nicht anhängig (SG Mainz, Urteil vom 23.4.2012, Az. : S 14 KR 143/11; SG Chemnitz, Urteil vom 1.3.2012, Az. : S 10 KR 189/10).

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.