Wann darf ein Arzt eine konkrete Behandlung vorschlagen?

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Gibt es verschiedene Methoden, eine Krankheit zu behandeln, darf der Arzt eine davon empfehlen, wenn der Patient über andere Möglichkeiten informiert ist.

Bei einer 46-jährigen Frau, die unter anderem an einer leichten Harninkontinenz litt, wurde anlässlich einer ohnehin anstehenden Operation eine Unterpolsterung des Harnleiters vorgenommen. Ungefähr ein Jahr später erfolgte ein weiterer Eingriff, da das eingesetzte TVT-Band nicht mehr ausreichend beweglich war. Die Frau verlangt von dem Krankenhaus und dem dortigen Gynäkologen Schmerzensgeld in Höhe von 6.000 €. Zum einen sei sie hinsichtlich einer alternativen Behandlungsmethode nicht aufgeklärt worden. Andererseits lastet sie dem Arzt bei der Operation einen Behandlungsfehler an.

Nach dem Oberlandesgericht Koblenz lag hier weder eine unzureichende Aufklärung, noch ein Behandlungsfehler bei der Operation vor. Daher lehnte das Gericht diesbezüglich die Forderung der Frau ab.

Aus dem Informationsblatt, das der Frau vor dem Aufklärungsgespräch überreicht wurde, geht eine Empfehlung zur Operation hervor. Begründet wird dies damit, dass eine Besserung ihrer Beschwerden anderweitig nicht dauerhaft erreicht werden kann. Insbesondere die konservative Behandlungsmethode des Beckenbodentrainings wird hier als wirksame Alternative zur Operation ausgeschlossen. Mit diesem Informationsblatt ist belegt, dass die Frau über alternative Behandlungsmethoden wie das Beckenbodentraining informiert war.

In einem solchen Fall darf der Arzt dann auch eine konkrete Empfehlung für eine Operation aussprechen, solange diese Empfehlung medizinisch gesehen im Rahmen des Vertretbaren liegt. Das war hier der Fall.

Es konnte auch kein Behandlungsfehler nachgewiesen werden, der die zweite Operation verschuldet hätte. Vielmehr hat sich hier eine der Komplikationen eingestellt, über die die Frau vorab aufgeklärt worden ist (OLG Koblenz, Urteil vom 20.6.2012, 5 U 1450/11, NJW-RR 2012 S. 1302).

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